WASHINGTON D.C. - Als Bill Clinton 1992 zum erstenmal zum Präsidenten gewählt wurde, versprach er seinen Wählern ein Kabinett, das in seiner Vielfältigkeit "aussehen werde wie Amerika". Nach seiner Wiederwahl stand der Präsident bei der Suche nach führenden Mitarbeitern für seine zweite Amtszeit unter dem Druck von Schwarzen, Hispano- Amerikanern und besonders den Frauen. Sie wollten mit hochrangigen Positionen belohnt werden, denn alle diese Gruppen hatten sich bei der Präsidentschaftswahl mit großer Mehrheit für Clinton entschieden und ihm den entscheidenden Vorsprung verschafft.

Feministische Gruppen, und wahrscheinlich auch Hillary Clinton, waren darüber erfreut, daß der Präsident in seinem neuen Kabinett wieder zwei Posten mit Frauen besetzte. Besonders freuten sie sich darüber, daß Madeleine Albright, die ehemalige US-Botschafterin bei den UN und eine Favoritin von Frau Clinton, zur ersten Außenministerin in der amerikanischen Geschichte ernannt wurde.

Vielfalt ist jedoch kaum das Kennzeichen jener Gruppe, der Clinton die Durchführung der Außenpolitik übertragen hat. Wie alle anderen führenden Mitglieder des außenpolitischen Teams des Präsidenten gehört auch Madeleine Albright zu einer Elite, die an herausragenden Privatuniversitäten der Ostküste ausgebildet wurde. Gruppen mit diesem akademischen Ostküstenhintergrund haben schon immer die amerikanische Außenpolitik dominiert. Doch selten wurde das so deutlich wie jetzt bei Clintons zweiter Administration.

Sämtliche führenden Mitglieder der außenpolitischen Mannschaft haben an Eliteuniversitäten der Ostküste studiert: Albright am Wellesley College, wo auch Frau Clinton studierte, und an der Columbia Universität in New York ihr Stellvertreter Strobe Talbott - Yale und Oxford der Nationale Sicherheitsberater Samuel Berger - Cornell und Yale sein Stellvertreter James Steinberg - Harvard und Yale der designierte Chef der CIA, Anthony Lake - Harvard und Princeton Verteidigungsminister William Coh en - Bowdoin College in Maine und Universität von Boston Albrights Nachfolger als UN-Botschafter, Bill Richardson - Tufts (auch in Boston).

Die Auswahl ist keine Überraschung, denn Clinton und seine Ehefrau sind ebenfalls Produkte derselben akademischen Umgebung. Er studierte an der Georgetown Universität in Washington, D.C., ging dann nach Oxford und später nach Yale, wo Hillary Clinton ebenfalls studierte.

Jene von uns, die ebenfalls an den elitären Universitäten der Ivy League studierten, können sich darüber freuen, daß sie immer noch Absolventen hervorbringen, die sich, statt viel Geld zu verdienen, hohen Idealen und dem Staatsdienst verschreiben. Wir können stolz auf die Absolventen "unserer" Universitäten sein, die über einen weiten Horizont verfügen und verstehen, daß Amerika außerhalb seiner Grenzen und jenseits der Ozeane Verantwortung trägt.

Die Europäer haben ebenfalls Grund zur Zufriedenheit, denn kein amerikanischer Außenminister seit Henry Kissinger kennt die europäischen Probleme so gut wie Albright sie wurde vor sechzig Jahren als Maria Jana Korbel in Prag geboren und mußte danach mit ihren Eltern erst vor den Nazis und dann 1948 vor den Kommunisten fliehen.