Heisere Stimme und fieberglänzende Augen: Ernst Eidloth ist ziemlich vergrippt, und der Arzt hat ihn eigentlich krank geschrieben.

Aber für ihn ist das eine Berufskrankheit, und sie kann ihn überhaupt nicht davon abhalten, sich auch jetzt jenem ständigen Wechsel zwischen heiß und kalt auszusetzen, der eine ideale Voraussetzung für eine dicke Erkältung ist.

Hin und her läuft er zwischen dem mollig warmen Raum mit der Steuerungsanlage und dem spiegelblanken Vierhundertmeter-Oval draußen im Freien, auf das sich gerade wieder ein unwillkommener Rieselschnee legt.

Ernst Eidloth ist Eismeister auf der Schnellaufbahn im Bundesleistungszentrum im oberbayerischen Inzell. Der 58jährige lebt für die Aufgabe, das sauberste, vermutlich teuerste, jedenfalls schnellste Eis in Deutschland zu machen, und wenn es um Freiluft-Eisbahnen geht, kann er diese Superlative sogar weltweit für sich in Anspruch nehmen.

Daß Ernst Eidloths Eis wenig gemein hat mit den schrundigen, rubbeligen Decken, welche die Natur derzeit über die Seen gelegt hat, kann schon der Laie sehen. Der Kenner aber geht ganz nah heran, kniet nieder und streichelt mit sensibler Hand die heilige Fläche. Feine weiße Äderchen marmorieren das Grau. Keine Lufteinschlüsse, keine Kerben und Risse - gefrorene Kompaktheit. Ohne perfekten Schliff unter den Schienen ist jeder Schlittschuhläufer auf diesem Parkett verloren. Die Oberfläche fühlt sich an wie gestrichenes Feinpapier.

Und kalt.

Meister Eidloth drückt den Thermometerfühler auf das Eis und ist zufrieden. "Vier Grad. So soll es sein. Und wichtig: Ganz gleich, wo auf der Fläche ich messe, überall sind es vier Grad. Wenn ich Grad sage, meine ich natürlich minus", sagt Eidloth und lacht, "manchmal vergesse ich, daß das für andere Leute gar nicht selbstverständlich ist."