Das sind keine guten Nachrichten für den Rekonvaleszenten. Kaum hat sich Jürgen Schneider von einer Hüftoperation erholt, da flattert dem promovierten Pleitier eine Anklageschrift auf den Gefängnistisch, die dem einstigen Baulöwen viel Schlechtes verheißt. Kann die Frankfurter Staatsanwaltschaft ihre Vorwürfe belegen, dazu zählen Kreditbetrug, besonders schwerer Betrug und Bankrott in einem besonders schweren Fall, dann drohen dem Bauingenieur bis zu fünfzehn Jahren Haft. Mitnichten Peanuts. Für einen 62jährigen niederschmetternde Lebensperspektiven.

Der Prozeß gegen Schneider und seine mitangeklagte Ehefrau Claudia beginnt frühestens im Sommer. Und mit gutem Recht warnen die Verteidiger des Ehepaares vor voreiligen Schuldsprüchen. Dennoch - eins ist unübersehbar: Der frühere Edelspekulant und größte private Immobilienbesitzer Deutschlands ist arg in die Defensive geraten. Vor nicht allzu langer Zeit spuckte der gestrauchelte Aufsteiger noch große Töne.

Dreist portraitierte er sich nach seiner aufsehenerregenden Verhaftung in Florida (Mai 1995) - gut ein Jahr zuvor waren die Schneiders spurlos aus ihrem Schlößchen in Königstein verschwunden - als Opfer und drohte mit skandalträchtigen Informationen aus der Innenwelt des Großkapitals. Die wahren Schuldigen, so sein damaliges Credo, seien die Kreditinstitute, allen voran die Deutsche Bank.

Von solch vollmundiger Rhetorik ist wenig geblieben. Daß er gemogelt und gelogen hat, all dies hat der Sohn eines Unternehmers mittlerweile eingestanden. Weitaus unspektakulärer waren dagegen die "Enthüllungen" über seine Geldgeber. Die Banken sind, so das vorläufige Fazit der Ermittler, zumindest vor Gericht aus dem Schneider.

Was hängenbleibt, ist natürlich der enorme Imageschaden. Während die Institute den gemeinen Häuslebauer für einen Kredit penibel durchleuchten, sahnte Schneider Kredite in Milliardenhöhe ab - ohne entlarvende Kontrollen befürchten zu müssen. Leichtfertig ließen sich seine Geschäftspartner von Prachtbauten wie etwa der Frankfurter Zeilgalerie blenden, die tristen Bilanzen des raffiniert verschachtelten Immobilienimperiums blieben dagegen häufig ungeprüft.

Es ist die Ironie dieser Mega-Pleite, daß Schlampereien renommierter Banken erst durch den Fall Schneider aufflogen.

Daß Schneider die Mächtigen narrte - aber eben nicht nur die, schließlich trieb er auch kleine Handwerker an den Rand des Ruins -, das verlieh ihm etwas von der Aura eines Hauptmann von Köpenick.