Der toskanische Terrakotta-Ofen atmet wohlige Wärme aus. Feine Schwaden ziehen durch den Raum. Am schweren Holztisch sitzt Max Seibald. Der Bildhauer. Er schwärmt vom Süden. Vom Prosecco, der an den Hängen rund ums Haus wächst, von den wilden Pfirsichen und dem Fisch, den er auf dem Markt in Chioggia erstanden hat.

Schließlich berichtet er von einem besonderen Vergnügen. Bald wird er wieder mit einem einzigartigen, edlen Material arbeiten, das zerbrechlich ist und vergänglich, das hart ist und sich dennoch schneiden läßt wie Butter: Eis.

Mitte Januar wird sich der 28jährige, der gewöhnlich Gips, Stein oder Holz behämmert und beschneidet, wieder am gefrorenen Wasser probieren. Wenn die österreichische Gemeinde Zell am See kälteerprobten Skulptoren Eis in 3500-Liter-Blöcken hinstellt, um Touristen mit zartschmelzender Kultur zu beeindrucken, ist Max Seibald zur Stelle.

Eiskunst ist in unseren Breiten eine Seltenheit. Bislang haben sich vor allem Holzschnitzer und Köche, geübt im Bearbeiten von Butter, mit dem kalten Werkstoff befaßt. Österreichische Gemeinden beglücken Gäste mit Krippenfiguren aus Eis. Max Seibald, selbst gelernter Herrgottsschnitzer, hat jedoch keine Lust auf Figürliches: "Die Heiligen kenn' ich, die kann ich, die interessieren mich nicht mehr."

Eis und Schnee haben ihn sein Leben lang begleitet. Wer am Fuße des Großglockners aufwächst, auf 1500 Meter Seehöhe, hat keine Angst vor kalten Fingern. Acht Monate im Jahr unter Null. Eine Woche im Januar kratzt er mit bloßen Händen an einem mannshohen Eisblock herum, der in achtzehn Tagen im Kühlhaus bei minus dreißig Grad geformt wurde. Da können abstrakte Formen entstehen, wie die Skulptur mit drei Säulen, eine Kugel obenauf. Oder Handfestes, wie die "Cabina telefònica", die von der Österreichischen Bundespost gar mit einem echten Fernsprecher bestückt wurde und die der Künstler eigenhändig einweihte, indem er nackt in die Eiszelle sprang.

"Eis ist ein edles Material", sagt er, und so leicht zu bearbeiten.

Es schneidet sich gleichmäßig und läßt sich mit warmem Wasser und ein wenig Schnee sogar verkleben. Er benutzt ganz gewöhnliche Werkzeuge: Motorsäge, Hacken und Messer. Fön, Lötkolben? Seibald verzieht angewidert das Gesicht.