Warum, um Gottes willen", schimpft der Mailänder Innenarchitekt Marco Zanini, "muß ein Geschäftsmann aus Korea in einem Hotel in Sydney in einem französisch eingerichteten Hotelzimmer wohnen?"

Der Teilhaber des renommierten Mailänder Designstudios Sottsass Associati reist selber sehr viel und ärgert sich fortwährend über die Qualität der Behausungen. Heutige Hotelzimmer, sagt der Innenarchitekt, zielten an den Bedürfnissen des Reisenden vorbei. Marco Zaninis vernichtendes Urteil: "Die internationale Hotellerie liegt fünfzig Jahre zurück."

Der Mann aus Mailand teilt seine Hotelkritik mit einem Kollegen aus Hamburg: Innenarchitekt Jan Wichers kennt viele Beispiele verfehlten Hoteldesigns. Ihn ärgert, daß die internationale Hotellerie zu oft den Nutzwert eines Zimmers geringschätzt und statt dessen Wert auf ein luxuriöses Image legt. Ausdruck dieser verfehlten Zielsetzung ist für ihn der Hang zum goldenen Pomp vergangener Jahrhunderte. Auf der Suche nach Luxus und aus Angst vor Neuem, kritisiert Wichers, würden viele Hoteldesigner zu tradierten Formen aus anderen Epochen greifen. Heraus kommen "leblose Operettenbilder", stilistische Potpourris, die allenfalls als schlechte Denkmalpflege durchgehen könnten.

Jan Wichers und Marco Zanini können vom 11. bis zum 14. Januar in den Messehallen in Hannover zeigen, wie sie es besser machen würden. Der Hamburger hatte die Idee zur Ausstellung "Trendhotel" im Rahmen der Domotex, einer internationalen Fachmesse für Teppiche und Bodenbeläge. Seinen italienischen Kollegen lud er hinzu, weil die Designer aus Mailand bekannt dafür sind, daß sie unbefangen an neue Aufgaben herangehen.

Marco Zanini wird in Hannover im Maßstab 1 : 1 Räume mit einem "anthropologischen Anspruch" zeigen. In einem Hotelzimmer, so seine Philosophie, darf es nicht nur um die Frage des richtigen Stils und des richtigen Stoffs gehen, vielmehr müsse das Leben des Reisenden in einer solchen temporären Behausung im Mittelpunkt stehen. Ausgangspunkt bei Zaninis Überlegungen: Es kann nicht ein Hotelzimmer für jeden geben. Marco Zanini sieht deshalb drei Reisetypen: Nomadenreisende, junge Menschen, die durch die Welt ziehen.

Der Boden in ihrem Hotelzimmer sollte aus praktischem Plastik sein, die Tapete eine große Landkarte, das Bad auf der einen Seite offen, weil Baden Freude und Entspannung bedeutet.

Geschäftsreisende, Gäste, die Service und Komfort brauchen.