Auffrischenden Ostwind" hatte NDR 1 "Radio Niedersachsen, Ihr Heimatsender" früh am Morgen versprochen. Jetzt um elf Uhr, bei ebensovielen Grad minus, wird langsam klar, was das hier oben heißt: auffrischender Ostwind. Er geht den Eisläufer von vorn an, beißt sich in Kinn und Nase fest, wühlt sich durch Thermojacke, Pullover, Hemd, Wollunterhemd und läßt das Wasser in die Augen schießen, bis sie nur noch halbblind zwinkern.

Trotzdem weiter! Ausholen nach links, ausholen nach rechts, Gleichgewicht auspendeln mit den Armen, tief und tiefer ducken. Eine Schufterei auf Kufen - und doch geht es kaum voran.

Der Wind bläst in Schüben. Hält man an, weil die Lunge nur noch rasselt, und richtet sich keuchend auf, schieben die Böen einen einfach vor sich her. In die falsche Richtung. So ist das mit dem auffrischenden Ostwind hier oben in Ostfriesland.

Viele Läufer sind es nicht, die vorher übers Fehntjer Tief gezogen sind. Zwei, drei Spuren, aber schon die beruhigen: Die Decke hält. An manchen Stellen ist dünner Schnee auf der Fläche festgefroren, anderswo hat der Wind das Eis blankgepustet. Wie schmutziges Glas liegt es unter den Kufen. Einzelne Wasserpflanzen sind eingeschlossen. Und Ketten von Luftblasen, wie Mobiles aus Silbermünzen, aufgehängt an unsichtbaren Fäden.

Von wegen: sanftes Gleiten, elegante Schwünge. Ein mühsamer Kampf ums Vorwärtskommen ist das. Vor einer halben Stunde, an der Abzweigung nach Nordosten - vielleicht wäre es klüger gewesen, da einfach weiter geradeaus zu laufen, Richtung Emden, mit dem Wind. 25 Kilometer ungetrübtes Vergnügen, und dann mit dem Taxi zurück nach Timmel. Zu spät. Selbst schuld. Wie überhaupt an allem.

Der Anlaß für die Quälerei findet sich vierzig Kilometer weiter westlich: Holland im Taumel, ganz Friesland im Rausch. Das Eis auf den Kanälen hat die notwendigen fünfzehn Zentimeter Dicke, hatte das Tocht-Komitee befunden. "Er" kann stattinden - "de Friesche Elfstedentocht", der 15. Elfstädterundlauf seit 1909.