Der CSU-Politiker Michael Glos mischt kräftig mit am deutschen Stammtisch. Seine neueste Forderung: Ausländer sollen fünf Jahre lang nicht arbeiten dürfen, um die raren Jobs für Bundesbürger freizuhalten. Mit sicherem Gespür für populistische Strömungen hat Glos damit wieder die alte, entzweiende Frage aufgeworfen: Nehmen Ausländer den Deutschen die Arbeitsplätze weg?

Auch anderswo wird so gefragt, denn derzeit stecken fast alle Länder Westeuropas in einem großen Dilemma. Ihre Kassen sind leer, die privaten Unternehmen rationalisieren, etliche von ihnen gehen ins Ausland oder in die Pleite. In der EU gibt es inzwischen 18 Millionen Arbeitslose. Gleichwohl strotzen die westeuropäischen Staaten im Vergleich zu den meisten Ländern der Erde immer noch vor wirtschaftlicher Kraft. Deshalb ziehen sie die Flüchtlinge aus aller Welt nach wie vor an.

Unbestreitbar ist: Angesichts der gewaltigen eigenen Schwierigkeiten will und kann die Europäische Union nicht länger Magnet sein; allein in Deutschland fehlen sechs Millionen Arbeitsplätze. Wer den Druck im Kessel nicht steigern will, muß deshalb die heimischen Arbeitskräfte so gut wie möglich vor weiterer Konkurrenz bewahren.

Doch diese Einsicht ist nicht neu. Schon seit vielen Jahren schottet der wohlhabende Teil dieser Welt sich gegen Flüchtlinge ab. Soldaten und Polizisten sperren die Grenzen gegen illegale Einwanderer, die von Schlepperbanden ins Land gelockt werden oder von sich aus kommen; Anwerbestopps wurden verfügt und Anreize gekappt.

In den vergangenen Jahren hat besonders Deutschland ein feines Instrumentarium entwickelt. Dazu zählt die Arbeitserlaubnis, die Ausländer ohnehin nur beantragen dürfen, wenn sie sich rechtmäßig im Land aufhalten. Wer keine Arbeitserlaubnis bekommt, kann nicht auf Jobsuche gehen und darf - jedenfalls auf legalem Weg - kein Geld verdienen. Ob in Holland, in Frankreich oder in Deutschland - überall soll die Arbeitserlaubnis sicherstellen, daß vorrangig Einheimische beschäftigt werden.

In Deutschland werden die Kriterien für die Erteilung von Arbeitsgenehmigungen an Ausländer Jahr für Jahr enger gefaßt. 1993 änderte der Bundestag nach langer, zermürbender Debatte auch die Asylgesetze. Das Argument: Die Zuwanderung in die Bundesrepublik müsse gedrosselt werden, sonst sei die Eingliederung von Ausländern auf lange Sicht gefährdet. Nachdem die Begrenzungspolitik schnell Erfolg gezeitigt hatte, versprach die Bundesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung vom November 1994 zudem "eine umfassende Reform des Staatsangehörigkeitsrechts".