Krimi: Katharsis oder Katastrophe? Die Streitfrage, ob der Krimi kathartisch wirke und so die Generalprävention des Staates unterstütze oder aber labile Zuschauer zur fatalen Nachahmung anstifte, ist so alt wie das Genre. Die Antwort aber bleibt oft Spekulation, so auch im Fall der 49jährigen Heidrun-Erika J., von der man annimmt, sie habe bei ihrem Selbstmord an Heiligabend in einer Frankfurter Kirche sich zweier Handgranaten bedient, weil sie dergleichen in einem ZDF-Kriminalfilm aus der Reihe "Rosa Roth" gesehen haben könnte. Klar ist die Sache bei den beiden Aldi-Erpressern, die sich seit Freitag vergangener Woche vor dem Essener Landgericht verantworten müssen. Nach eigenen Angaben fühlten sich die Bombenbastler vom Kaufhauserpresser Funke animiert. Dessen Tricks hätten sie in dem Sat.1-Film "Die Jagd nach Dagobert" kennengelernt. Das Fernsehen als Volksverderber?

Übernahmen. Der neue Rundfunkstaatsvertrag wirft seine Schatten. Durch Anteilsübernahmen von kleineren Presseverlagen, die wohl nicht länger auf die Rückzahlung ihrer horrenden Anlaufinvestitionen warten wollten, erhöht Springer seinen Einfluß auf Sat.1 von 20 auf 40 Prozent. Leo Kirch bemüht sich derzeit - zusätzlich zu seinen bisherigen 43 Prozent - um die 15 Prozent der zur Holtzbrinck-Gruppe gehörenden AV Euromedia sowie um das eine Prozent der Ravensburger Film + TV GmbH. Damit würde Kirch über 59 Prozent und vier Sitze im Aufsichtsrat von Sat.1 verfügen. Solche Mehrheitsbeteiligungen erlaubt der novellierte Rundfunkstaatsvertrag seit dem 1. Januar. Allerdings: Die zuständige Landesmedienanstalt von Rheinland-Pfalz muß die Übernahmen noch abnicken.

Zweiklassengesellschaft im Kinderzimmer? Die Einspeisung des neuen Kinderkanals in die Kabelnetze aller Bundesländer hat der neue ARD-Vorsitzende Udo Reiter, Intendant des MDR, gefordert. Am Freitag vergangener Woche erklärte er in Leipzig: "Das Kabel darf die Kinder nicht in eine Zweiklassengesellschaft spalten." Böses Kabel, in dem man sich gedanklich so verstricken kann. Was Reiter eigentlich meint: Zum Start des neuen öffentlich-rechtlichen Kinderprogramms am Neujahrstag war dessen Unterbringung in den Kabelnetzen von Bayern, NRW und Hessen am Einspruch kommerzieller Anbieter gescheitert. Technische Probleme existieren in Schleswig-Holstein. Sie sollen jedoch bis Mitte Januar behoben sein. Auf daß die deutschen Kinder ein einig' Volk werden . . .

Zeitungssterben. Zum Jahresende hat die Tageszeitung Thüringenpost ihr Erscheinen eingestellt. Der Süddeutsche Verlag (SV), der die Zeitung zusammen mit einer Beteiligungsgesellschaft der SPD (30 Prozent) verlegte, begründete seine Entscheidung mit der schlechten Wirtschaftslage in Südthüringen sowie der harten Konkurrenz auf dem Zeitungsmarkt. Marktbeherrschend in Thüringen ist die Essener WAZ-Gruppe mit ihren Titeln Thüringer Allgemeine und Ostthüringer Zeitung. Wie der SV, der auch die Süddeutsche Zeitung herausgibt, weiter ankündigte, soll das Freie Wort in Suhl, das immerhin noch 110 000 Abnehmer findet, Mitte 1997 mit der Südthüringer Zeitung (30 000 verkaufte Exemplare) verschmolzen werden.

Volker Lilienthal