Im Jahre 1989 glaubten Genetiker, endlich den Garten Eden gefunden zu haben. Sie hatten Gene verschiedener Menschenrassen miteinander verglichen, die nur in mütterlicher Linie weitervererbt werden.

Daraus ergab sich ein molekularer Stammbaum, der zeigte, was Paläontologen längst ahnten: Eva kam aus Afrika. Jetzt haben sich die Genjäger einer etwas jüngeren Epoche der biblischen Überlieferung angenommen.

Alle heute lebenden jüdischen Priester, so behaupten die Forscher, stammen von einem gemeinsamen biblischen Vorfahren ab, dem ersten Hohepriester Aaron.

Die Wissenschaftler aus Israel, Kanada, Großbritannien und den USA verglichen die Y-Chromosomen lebender männlicher Juden miteinander (Nature, Bd. 385, S. 32). Das Geschlechtschromosom wird vom Vater unverändert an seine männlichen Nachkommen weitergegeben und kann daher die Verwandtschaft in väterlicher Linie belegen. Die Forscher isolierten Erbsubstanz aus der Mundschleimhaut von 188 Versuchspersonen aus England, den USA und Israel, vermehrten sie mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und verglichen die Sequenzunterschiede an zwei zuvor bekannten Regionen miteinander. Dabei unterschieden sich die Sequenzen bei Priestern und Nichtpriestern deutlich - Anhaltspunkt dafür, daß die heutigen Priester auf einen Vorfahren zurückgehen.

Nur etwa fünf Prozent der heute lebenden sieben Millionen Juden gehören der jüdischen Priesterschaft an. Ein Priester (nicht mit einem Rabbiner zu verwechseln) hat bestimmte religiöse Vorrechte und Pflichten, die Zugehörigkeit zur Priesterkaste der Cohanim wird vom Vater an den Sohn vererbt - offenbar seit 3300 Jahren.

Glaubt man den Resultaten der Genetiker, tragen alle Priester auf dem Geschlechtschromosom die Gene ihres biblischen Ahnherrn Aaron und damit übrigens auch die seines Bruders Moses, der ihn auf dem Zug ins Gelobte Land zum ersten Hohepriester ernannt hatte.

Doch die Aussagekraft genetischer Verwandtschaftsanalysen ist nach wie vor umstritten. So erweisen sich Versuche, anhand genetischer Sequenzen verläßliche biologische Stammbäume zu rekonstruieren, oft als problematisch: Die Mutationsrate schwankt im Laufe der Zeit unvermittelt und liefert ein verzerrtes Bild der Verwandtschaftsverhältnisse.