Wie torpediere ich eine Reform? Die Bundesregierung führt gerade ein Lehrstück dazu auf, das alle Regeln für einen überzeugenden Plot befolgt.

Erstens: Stelle das Unangenehme in den Vordergrund. Schon geschehen: Bonn läßt keinen Zweifel daran, daß die Mehrwertsteuer erhöht wird, voraussichtlich um zwei Punkte. Der Kanzler hat im Sommer die Reformdebatte damit eröffnet, daß die indirekten Steuern steigen müßten. Gutgläubige meinten damals noch, er habe sich versprochen.

Heute ist klar: Die Mehrwertsteuer wird wirklich erhöht.

Zweite Regel: Beweise, daß die Zumutungen keinem guten Zweck dienen.

Theo Waigel hat diese Maxime beherzigt. Deshalb verkündet der Finanzminister lauthals, er wolle die Mehrwertsteuer nur, weil er das Geld für seinen Haushalt brauche. Darüber Leistungen der Sozialversicherung zu finanzieren, damit die Lohnnebenkosten sinken, komme nicht in Frage.

Dritte Regel: Mach dir alle zum Feind. In diesem Punkt läuft Bonn zur Hochform auf. Den Rentnern wird angekündigt, daß ihre Bezüge künftig stärker besteuert werden. In Zukunft soll man zwei Jahre länger arbeiten, ehe die Rente beginnt, dafür wird sie gleichzeitig gesenkt, auf 65 oder gar 63 Prozent der durchschnittlichen Nettoeinkommen.

Wer private Altersvorsorge betrieben hat, bekommt auch sein Fett weg: durch die Besteuerung der Lebensversicherungen.