Freiburg/Karlsruhe

Es gibt Dinge, an die man sich erst einmal gewöhnen muß, wenn man nach fast zehn Jahren aus dem Ausland zurückkehrt nach Freiburg.

Zum Beispiel, daß die alten Kampfgefährten sagen, es sei aussichtslos, samstags eine Demo zu organisieren, weil da der SC Freiburg spiele.

Sogar der eigene Anwalt, ein alter SDS-Recke, besitzt eine Dauerkarte.

Ja, es hat sich viel getan in der alten Heimat, und Christoph Seidler beschreibt die Veränderung nicht mit kritischem oder gar zynischem Unterton, einfach nur erstaunt. Die Szene-Stadt, die er einst verließ, gibt es nicht mehr, statt dessen in den blankverputzten Häuschen überall altlinke Behaglichkeit. Nach all den Jahren im Libanon, "dem Exil", wie Seidler sich ausdrückt, sei er zu kurz wieder da, um den Wandel sicher bewerten zu können um zu wissen, ob das Land, das er in Kampfesstimmung verließ, tatsächlich so befriedet ist, wie es sich heute gibt.

Von einer Institution hat Christoph Seidler allerdings schon nach ein paar Wochen den Eindruck gewonnen, daß dort alles beim alten ist: von der Bundesanwaltschaft, die ihm vorwirft, Mitglied jener Kommandoeinheit der Rote Armee Fraktion (RAF) gewesen zu sein, die am 30. November 1989 Alfred Herrhausen ermordete, den Chef der Deutschen Bank.

Warum nur, so fragt er sich, glaubt man ihm dort immer noch nicht?