Im hohen Norden Europas leben Menschen, die sich Samek nennen, was soviel wie Sumpfleute bedeutet und an Tundra erinnert. Die in Schweden und Norwegen übliche Bezeichnung "Samen" weckt dagegen andere Assoziationen - und das offenbar nicht zu Unrecht. Seit Jahrhunderten bewähren sich die Samen als wahre Meister der Fortpflanzung.

Wo andere vor Kälte die Extremitäten einziehen, vermehrte sich die urtümliche Volksgruppe seit Generationen in langen Wintern und ohne Zentralheizung. Die wissenschaftliche Literatur sagt den Männern gar unerreichte Potenz nach. In einem Milliliter Ejakulat der Männer Finnlands, wo viele Samek leben, finden sich 114 Millionen Spermien. Das ist Weltspitze und beschämt nicht nur die deutschen Männer mit ihren bescheidenen 78 Millionen Samenfäden pro Milliliter.

Die unerhörte Spermiendichte der Finnen verblüffte viele Forscher.

Um so mehr, da in aller Welt die Manneskraft schwindet, wie etwa Niels Skakkebæk vom Kopenhagener Rigshospitalet glaubt: In den vergangenen fünfzig Jahren hat sich den Berechnungen des dänischen Mediziners zufolge die Anzahl der Spermien pro Milliliter von durchschnittlich 113 Millionen auf 66 Millionen beinahe halbiert.

Auch Fehlbildungen der männlichen Geschlechtsorgane und Hodenkrebs häufen sich nach seiner Ansicht. Nur die Finnen schienen der Krise mannhaft zu trotzen.

Doch jetzt veröffentlichte das British Medical Journal eine Studie, die auch die Samen in neuem Licht erscheinen läßt. In Finnland habe sich die Zeugungsfähigkeit in einem Zeitraum von zehn Jahren drastisch verschlechtert, wollen Forscher der Universität Helsinki festgestellt haben. Nur noch ein Viertel der untersuchten Männer produziere normale Spermien, und das durchschnittliche Gewicht der Hoden sei von 18,9 auf 17,8 Gramm gesunken.

Angesichts von Schrumpfhoden und Spermienschwund spekulieren jetzt wieder einige Wissenschaftler, Umweltgifte brächten das Hormongefüge des Mannes durcheinander. Doch immer wieder erreicht uns auch die Mahnung, daß allzu enge Beinkleider für zu hohe Betriebstemperaturen in den männlichen Keimdrüsen sorgen. Denn nur bei Graden unterhalb der normalen Körpertemperatur können die Hoden Samenzellen produzieren (weshalb ein heißes Bad in manchen Kreisen als Verhütungsmittel gilt). Die nötige Wärmeregulierung bewerkstelligt ein Hautbeutel, der sich bei vielen Säugetieren bewährt hat. In ihm werden die Hoden durch die frische Außenluft gekühlt.