Wer ist DJ Spooky? Ein Renaissancemensch für das nächste Jahrtausend?

Ein Klangbildbauer, der Atmosphären herstellt? Ein selbsternannter Raumdesigner unsichtbarer Städte? Ein Discjockey, der Philosoph sein möchte, oder ein Theoretiker, den es an die Plattenspieler verschlagen hat?

Who is DJ Spooky? Diese Frage stellte der Journalist und gelegentliche Plattenaufleger Paul D. Miller vor einigen Jahren in New York.

Er heftete seine Aufkleber an Hauswände und U-Bahn-Stationen, an Plakatflächen und Parkbänke und stiftete damit Irritation.

DJ Spooky - das war anfänglich nur ein Gedankenspiel, der Schattenriß einer Person, eine Chiffre, die alles oder nichts bedeuten konnte.

Erst als der Name eine gewisse Bekanntheit erlangt hatte, als das Künstlervölkchen in Manhattan sich zu fragen begann, wer dieser Spooky sein könnte, begann Miller, den Namen für seine Auftritte an den Plattentellern zu adaptieren. DJ Spooky ist der Praktiker, der beim Musikmachen die geistige Software nutzt, die ihm der Denker Paul Miller zuspielt. Er hat nun endlich ein Gesicht und einen Körper und sieht mit seinen langen Rastalocken, dem Nasenring und einem Superman-T-Shirt eher wie das Mitglied einer Rap-Truppe aus als wie ein Mann, der den Ehrentitel "Derrida der Dance music" beansprucht.

DJ Spooky selbst trägt kräftig dazu bei, den eigenen Mythos auszubauen und mit neuen Schleifen zu verzieren. An der Elite-Universität Bowdoin studierte er französische Literatur und Philosophie und eignete sich die Terminologie und auch den Jargon der Postmoderne an. Wenn er von "Repräsentation" spricht oder vom "Tondband als elektromagnetischer Leinwand", von "postrationaler Kunst" oder von "kultureller Entropie", wenn er sich als "polymorph-perversen Psychonauten, der durch die Datenwolken navigiert" bezeichnet, dann macht es beim interpretierenden Gegenüber sofort Klick: Baudrillard und Lacan, Lyotard und Deleuze werfen ihren langen Schatten über eine Kunst, die die Aushöhlung des traditionellen Subjektbegriffes und die flüchtige Exist enz in fluktuierenden Großstadtszenarien zum Thema macht.