WUPPERTAL. - Den Anstoß gab ein Brief - anonym, doch im Inhalt so konkret, daß Staatsanwalt und Polizei Ende 1995 die Ermittlungen aufnahmen: Es roch nach Korruption in der Stadtverwaltung.

Mittlerweile stinkt es. Denn die Stadt bietet die Kulisse für einen der größten Bestechungsskandale in Nordrhein-Westfalen.

Neunzehn Personen sitzen in Untersuchungshaft: fünf Inhaber und Mitarbeiter von Handwerksbetrieben sowie vierzehn städtische Bedienstete - bis hin zu einem Oberbaurat. Der Haftbefehl gegen einen Beamten aus der Bauunterhaltung wurde kürzlich aufgehoben, acht weitere Handwerker genießen Haftverschonung, weil sie umfassend ausgesagt haben. Beinahe im Wochentakt sind von September vorigen Jahres an vierzehn Mitarbeiter der Bauunterhaltung und ein Mitarbeiter des Rechnungsprüfungsamtes hinter Gitter gewandert. Sie, die sich eigentlich um die optimale Instandhaltung städtischer Gebäude kümmern sollten, stehen im Verdacht, meist gegen Bares Aufträge an immer dieselben Maler, Gerüstbauer, Schreiner und Dachdecker im Ort vergeben und schlampige Arbeiten gedeckt zu haben. Zum Teil seit mehr als zehn Jahren.

Nach den Ermittlungen haben beide Seiten ihre Art der Zusammenarbeit einfallsreich gestaltet: Denn nicht nur mit Bargeld - insgesamt mit Sicherheit im sechsstelligen Bereich - zeigten sich die Handwerker erkenntlich. Manch öffentlicher Auftrag wurde auch mit privaten Dienstleistungen vergolten, vermutet Oberstaatsanwalt Helmut Pathe.

Mal waren das hochwertige Tischlerarbeiten daheim beim städtischen Bediensteten, mal ein nagelneuer Kachelofen, mal ein aufwendig gepflasterter Hof. Ein Sachbearbeiter ließ sich von einer Malerfirma gar zwei gepachtete Pferdehöfe herausputzen. Auch ein Wochenendtrip nach München habe als Schmiermittel gedient, vermutet die Staatsanwaltschaft.

Ein Beschuldigter soll verdeckt an einer der Handwerksfirmen beteiligt gewesen sein.

Noch ist nicht klar, welcher finanzielle Schaden der Stadt entstanden ist. "Wir haben Anhaltspunkte dafür, daß sich die Unternehmer die Bestechungsgelder in einigen Fällen wieder reingeholt haben", sagt Helmut Pathe, "das ist dann Betrug." Entweder hätten die Firmen mit Wissen der Bestochenen überteuerte Rechnungen ausgestellt oder schlechtes Material verbaut. So sei das Rathaus im Stadtteil Elberfeld mit minderwertigem Sandstein verkleidet worden.