Martin Amis ist, wie der Klappentext seines neusten Romans uns verrät, der "Bad Boy" des britischen Literaturbetriebs. Bad-boy-mäßig in England, Spanien und den USA aufgewachsen, beschert er uns mit "Information" seinen neunten Roman. In zwei Jahren wird Amis fünfzig Jahre alt sein, ein fünfzigjähriger "Bad Boy" mit dann vielleicht zwölf Romanen und noch ein paar Inseln und Kontinenten mehr auf der Aufwachs- und Lebensskala. Wie macht man das, fragen wir uns da, wie bleibt man so ein ewiger "Bad Boy", und wie sehen diese regelmäßig erscheinenden "Bad Boy"-Romane aus?

Ein "Bad Boy"-Roman wie "Information" ist zunächst einmal wuchtig: beinahe sechshundert Seiten, ein Titel, der richtig zuschlägt, etwas von Wildheit und Herbheit, mit diesen deutlichen Zeichen von Arroganz. Ein Roman wie ein kompaktes, dichtes, abgehangenes Stück Fleisch, mit ein paar faszinierenden Sehnen und Venen, auf den ersten Blick eine Mischung aus London, Leichenhaus und Video-Welt, comichaft abgetaucht in die Sprache schönster Metaphern.

"Ja, klar, sicherlich . . ." - und wer hier schon auf der ersten Seite so routinegeölt spricht, ist niemand andres als der "Bad Boy"-Erzähler selbst: eine sich lakonisch gebende, dann wieder überladene, eine sich vor allem monströs gebärdende Sprache, an deren Gittern der Erzähler pausenlos rüttelt. Hin und her gerissen sollen wir sein, nicht zur Ruhe kommen, ungläubig staunen angesichts dieses Orkans von Text, um dann wieder irgendwo abgesetzt zu werden, wo es ganz einfach zugeht: "Ja, klar, sicherlich . . ."

Zwischen diese sprachlichen Ruheinseln verstreut, begegnen uns die Highlights der Seelenmalereien und der Beschreibungen. Wenn eine Figur irgendwo wartend vor einer Haustür steht, so darf sie nicht einfach warten, nein, sie trifft "geistige Vorbereitungen".

Und weil es bei "geistigen Vorbereitungen" des Wartens um etwas Seelisches geht, geht es, schnell genauer gesagt, um einen "Bewußtseinszustand", klar, sicherlich, und zwar um den der "Kontrasttoleranz".

Wörtchen wie "Kontrasttoleranz" durchsausen den Orkan-Text zu Hunderten: Sie sollen so etwas wie scharfe Geschosse sein, kleine Brocken der Irritation, aber sie brummen und dröhnen wie Stubenfliegen.

Übertroffen werden sie nur noch von diesen rasanten Beschreibungen, die jede, aber auch jede Figur dieses Romans ereilen und sofort, mit einem einzigen vernichtenden Schlag, leblos machen. Also: "Er war wie der Offiziersanwärter mit dem fliehenden Kinn im Atom-U-Boot, der mit einem von den Jungs schwatzt, während er (Routinekontrolle) die Verriegelung am Torpedobunker aufschraubt, und blitzartig von einem schäumenden Phallus Meerwasser zu Boden geschleudert wird."