Es war im letzten März, an jenem Frauentag, der sich von 364 anderen Frauentagen dadurch unterscheidet, daß er auch so genannt wird.

Es war keine besonders eindrucksvolle Machtdemonstration der österreichischen Frauenbewegung: ein paar hundert auf der Straße, die üblichen Reden, und man hätte nachher, wie immer, auf einen netten Kaffeeplausch gehen und sich aufs nächste Jahr vertagen können. Wäre da nicht dieses "dumpfe Gefühl gewesen, daß sich etwas zusammenbraut" und daß "die gesamte Frauenpolitik kippt, wenn wir nicht sofort was tun".

Eva Rossmann, als Journalistin spätestens seit ihren scharfzüngigen Enthüllungen über die Macho-Manieren im Parlament bekannt, war mit dieser Ahnung nicht allein. Zwei Sparpakete hatten gerade das Land und sein Sozialsystem umgepflügt. Die Koalitionsregierung aus Sozialdemokraten (SPÖ) und konservativer Volkspartei (ÖVP) war im planlosen Abwehrkampf gegen Jörg Haider verheddert. Das Volk murrte, wußte aber nicht recht, wogegen - und die Frauen standen gelähmt in der Ecke. "Es war höchste Zeit, den Dingen, die in Österreich passieren, einen Namen zu geben", sagt Rossmann.

"Wir mußten das Unbehagen kanalisieren."

Der Zeitpunkt war, Mondphasen hin oder her, offenbar der richtige.

Neun Monate später ist aus der kleinen Gruppe unverzagter Frauen eine Bewegung geworden, und im kommenden April wird bundesweit das erste Frauenvolksbegehren in den Bezirksämtern zur Unterschrift vorliegen. Wichtigste Forderungen des Elfpunkteprogramms: ein Mindesteinkommen von 15 000 Schilling (knapp über 2000 Mark) und eine Grundpension. Ein Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit und Kinderbetreuung.

Und: Staatliche Aufträge sollen nur jene Firmen erhalten, die Frauenförderungspläne vorlegen. Die Botschaft: Frauen haben ein Recht auf eigenständige Existenzsicherung, unabhängig von der Lebensform, die sie wählen.