Die Szenerie ist grell und schrill. Hongkong Mitte der neunziger Jahre: eine Stadt im Aufbruch. In den Straßen Hektik und Unruhe.

Hier "wird alles gegessen, was vier Beine hat - Tische ausgenommen".

Jeder scheint sich an jedem zu reiben. Der süße Geruch des Erfolgs lockt an jeder Ecke: Geschäfte mit High-Tech, Seide, Gold, Glücksspiel.

Heuschrecken kosten zwischen fünf und dreißig Dollar. Alles wirkt überfüllt, wirr, überdreht. Hongkong ist eine Stadt der Lichter, in denen die Nacht keine Chance hat.

Der junge Filmemacher Wong Kar-Wai, 1958 in Shanghai geboren, doch seit 1963 in Hongkong ansässig, entwirft seine Visionen vom Überleben in der Stadt der Geld- und Bürotempel wie ein Gemälde in Bewegung: als photographische Subjektivität in der Zeit. Er sucht das gültige Bild hinter den Turbulenzen von Geschäft und Vergnügen. Wie ein Berserker schneidet er manchmal zwischen die Szenen, als wollte er verhindern, daß man der fernöstlichen Glitzerwelt erliegt. Er deutet an, bricht ab und beginnt am anderen Ort zur anderen Zeit, setzt erneut an, um sofort wieder die Szene zu wechseln.

Die skizzenartigen Geschichten mäandern in zahllose Richtungen und fügen sich dennoch zu Bildern einer fremden, fernen Kindheit.

Sein Film, so Wong selbst, handele "von den zwei Seiten einer Münze . . . Er hat damit zu tun, sich das eigene Glück zu erhalten."