Die Weißen nennen die Gegend "White man's grave". Es gibt dort die übelsten Malaria-Arten. Die Engländer fanden es schrecklich in der Region Kono, Sierra Leone.

Wenn das Flugzeug am Flughafen Yengema der Stadt Koidu zur Landung ansetzt, sieht man aus der Luft die gelben Narben im Dschungel.

Das sind die Schürflöcher. Wenn man näher kommt, erkennt man Menschen, die wie Ameisen an den Tümpeln arbeiten, wohl an die hundert, zweihundert Leute an einem Loch. Sie suchen Diamanten. Alle Leute in Koidu suchen Diamanten. Es gibt nichts anderes, was man in Koidu machen könnte. Es ist extrem heiß, es ist unwirtlich, aber alle kommen in der Hoffnung auf das große Geld.

Sierra Leone war früher die Schweiz Afrikas. Früher, das war vor 1991, bevor der Bürgerkrieg das Land ruinierte. Es war ein reiches Land, voller Bodenschätze, Gold, Bauxit, Rutil. Die Diamanten von Sierra Leone sind die reinsten, die es in Afrika gibt. Aber die meisten Diamanten verlassen das Land illegal. Der Staat ist verstrickt in Kämpfe gegen die Revolutionary United Front (RUF).

Soldaten wie Rebellen tyrannisieren die Menschen mit großer Grausamkeit, Abertausende sind voller Angst in die großen Städte Freetown und Bo geflüchtet, wo sie in riesigen Camps leben. Der Handel mit Diamanten ist für den Staat nicht kontrollierbar. Er hat Söldner aus Südafrika angeheuert, zur Überwachung der Schürfstellen.

Am Flughafen Yengema wurde ich von einem Geschäftsmann aufgelesen und in die Stadt mitgenommen. Er fuhr einen großen Chevrolet, ein Riesending, mindestens zwanzig Liter, verbeult und abgeranzt.

Jeder, der in Koidu Geld hat, fährt ein riesiges Auto, möglichst eines mit Spoiler. Eigentlich kann man da gar nicht Auto fahren.