In seiner "Philosophie der Geschichte" erkannte Hegel ein beunruhigendes historisches Muster - den Zerfall und Sturz von Zivilisationen aufgrund einer morbiden Übersteigerung ihrer eigenen Hauptprinzipien.

Ich habe auf den Finanzmärkten der Welt ein Vermögen erworben, und dennoch fürchte ich inzwischen, daß die uneingeschränkte Intensivierung des Laissez-faire-Kapitalismus und die Verbreitung der Werte des Marktes über alle Bereiche des Lebens die Zukunft unserer offenen und demokratischen Gesellschaft gefährdet. Der wichtigste Feind der offenen Gesellschaft ist nicht länger die kommunistische, sondern die kapitalistische Bedrohung.

Den Begriff "offene Gesellschaft" prägte Henri Bergson in seinem Buch "Die beiden Quellen von Moral und Religion" (1932) größere Verbreitung erhielt er durch den österreichischen Philosophen Karl Popper in seinem Buch "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" (1945). Popper zeigte, daß totalitäre Ideologien wie Kommunismus und Nationalsozialismus ein gemeinsames Element aufweisen: Sie behaupten, sie seien im Besitz der absoluten Wahrheit. Weil die absolute Wahrheit die Möglichkeiten der Menschheit übersteigt, müssen diese Ideologien der Gesellschaft ihre Vision mit Gewalt aufzwingen. Popper stellte diesen totalitären Ideologien eine andere Sicht der Gesellschaft entgegen, wonach niemand ein Monopol auf die Wahrheit besitzt verschiedene Menschen haben verschiedene Ansichten und verschiedene Interessen, und man braucht Institutionen, die es ihnen gestatten, in Frieden zusammenzuleben. Diese Institutionen schützen die Rechte der Bürger und gewährleisten die Freiheit der Wahl und die Freiheit der Rede. Popper bezeichnete diese Form der sozialen Organisation als "offene Gesellschaft". Ihre Feinde waren die totalitären Ideologien.

Als ich mich näher mit Poppers Philosophie befaßte, fragte ich mich, warum niemand Zugang zur absoluten Wahrheit besitzt. Die Antwort wurde deutlich: Wir leben in eben dem Universum, das wir zu verstehen suchen, und unsere Wahrnehmungen beeinflussen die Ereignisse, an denen wir beteiligt sind. Wenn unsere Gedanken einem anderen Universum angehörten als die Gegenstände unseres Denkens, so könnte die Wahrheit in unserer Reichweite liegen.

Wir könnten Aussagen formulieren, die mit den Fakten übereinstimmen, und die Tatsachen ließen sich als zuverlässige Kriterien für die Entscheidung heranziehen, ob die Aussagen richtig sind.

Es gibt einen Bereich, auf dem diese Bedingungen herrschen: die Naturwissenschaften. Aber in den Sozialwissenschaften ist die Beziehung zwischen Aussage und Tatsache weniger eindeutig, weil sich in menschlichen Angelegenheiten die Wahrnehmungen auf die Realität auswirken und weil Fakten nicht notwendigerweise verläßliche Kriterien bieten, um die Wahrheit einer Aussage zu beurteilen.

Es herrscht zwischen dem Denken und den Ereignissen ein Rückkopplungsmechanismus, eine zweiseitige Verbindung, die ich als "Reflexivität" bezeichnet und zur Entwicklung einer Theorie der Geschichte verwendet habe.