DÜSSELDORF. - Seit gut einem Jahr esse und trinke ich nur noch, was mir schmeckt. Endlich schlemmen ohne Reue. Nie wieder Angst vor Schweinespeck und Schmalzgebäck! Das Frühstücksei kein Tabu mehr, das verteufelte Salz endlich rehabilitiert. Wenn die Mahlzeit einen Tick zu üppig war, genehmige ich mir zur Verseifung eine halbe Flasche Schnaps. Was soll's?

Kein Wunder, daß ich wie ausgewechselt bin. Seit meiner Hochzeit habe ich mich nicht mehr so frei gefühlt. Weshalb ich den Herren Blüm und Seehofer bereits Dankestelegramme geschickt habe. Man muß Politiker auch mal loben. Seitdem ich weiß, daß ich mir das Alter nicht leisten kann, genieße ich mein Leben in vollen Zügen.

Der Hausarzt hilft mir dabei. Er meint, wenn ich dieses Freßtempo durchhalte, bin ich mit 65 übern Berg. Hin und wieder empfiehlt er mir einen Reistag, damit ich die Ruhestandsgrenze überhaupt erreiche. Aber mit spätestens 68 möchte ich den Löffel abgeben.

Danach schnellen die Krankheitskosten nämlich in astronomische Höhen. Nicht umsonst warnen alle Kassen vor den letzten zehn Jahren.

Die schenke ich mir einfach.

Dank dieser Bundesregierung sehe ich klar in die Zukunft. Am Ruder stehen unbestechliche Männer, die gegen jede Sozialromantik gefeit sind. Nicht auszudenken, wenn der Gesundheitsminister bei den Medikamentenpreisen weich geworden wäre. Bei erschwinglichen Pillen hätte ich mich womöglich doch noch auf das Abenteuer Alter eingelassen. So weiß ich, woran ich bin. Die Renten schmelzen dahin wie das ewige Eis. Zum Ausgleich wächst die Eigenbeteiligung bei den Krankenkosten kontinuierlich. Was bedeutet, daß sich in zwanzig Jahren nur noch Leute wie Edzard Reuter oder Boris Becker einen Bypass leisten können. Dem Rest bleibt logischerweise nur die Selbstentleibung. Weil, der Tod ist halt die billigste Form des Lebens.

Bei Rücksprache mit meinem Arzt arbeite ich auf den Herzinfarkt hin. Wie gesagt, fingerdick kommt bei mir die Butter aufs Brot.