HAMBURG. - Die Globalisierung des Klassenkampfes unter dem Fanal "Proletarier aller Länder, vereinigt euch" ist endgültig gescheitert.

An der deutschen Nahtstelle zwischen den antagonistischen Systemen scholl ihm schließlich mit Erfolg die Parole "Wohlstand für alle" entgegen. Das alles ist nun Geschichte. Jetzt haben wir es mit dem Problem der Globalisierung der Finanzmärkte zu tun und fragen, ob und wie der Parole "Wohlstand für alle Shareholder" zu begegnen ist.

Mercedes-Chef Helmut Werner hat Ursache und Konsequenz des Epochenbruchs mit dem Sieg des Liberalismus über den Kommunismus beschrieben: "Vorher konnte der Liberalismus sich weiterentwickeln, weil er ein entsprechendes Gegengewicht hatte. Jetzt hat er es nicht mehr.

Deswegen müssen wir eine neue Problemlösungsfähigkeit in unserer Gesellschaft entwickeln." (ZEIT Nr. 2/97) Anders gesagt: Wie ist unter den neuen Bedingungen nach dem Epochenbruch das Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen und sozialen Erfordernissen neu herzustellen, das als soziale Marktwirtschaft unter dem Druck des Kommunismus entstanden war und ihm so erfolgreich widerstanden, ihn besiegt hatte?

Die Aussichten sind trübe, auf diese Frage von der Politik eine Antwort zu erhalten. Es kommt nicht von ungefähr, daß es eine Reihe Bonner Politiker gibt, von Helmut Kohl bis zu Oskar Lafontaine, die sich gern als Enkel Konrad Adenauers und Willy Brandts bezeichnen lassen. Aber niemand sieht sich in der natürlichen Nachfolge von Ludwig Erhard und Karl Schiller. Das hat nicht nur damit zu tun, daß seit 27 Jahren Politiker der FDP das Wirtschaftsressort verwalten, die mangels konzeptioneller Beiträge zur sozialen Marktwirtschaft keinen Namen hinterlassen haben.

Statt dessen erinnert uns nun der Kalender an die Anfänge der sozialen Marktwirtschaft. Er notiert für den 4. Februar Ludwig Erhards hundertsten Geburtstag. Und am 3. Februar, im eisigen Winter des Jahres 1947, wurde das Ahlener Wirtschaftsprogramm verabschiedet. Obgleich nie in Kraft getreten und nur von der CDU der britischen Besatzungszone beschlossen, wurde es doch das berühmteste, für manche das berüchtigste Grundsatzpapier der CDU.

In ihm war sowohl von Planung und Lenkung der Wirtschaft wie von der Vergesellschaftung der Montanindustrie die Rede. Es war unter die Überschrift "CDU überwindet Kapitalismus und Marxismus" gestellt und trug Adenauers Handschrift. Der jedoch verfolgte damit eigene strategische Ziele. Zum einen brachte er so den seinerzeit noch mächtigen christlich-sozialen Flügel der rheinischen CDU auf seine Seite. Zum anderen grenzte er seine Partei gegenüber den Linksparteien in der Frage einer weitergehenden Sozialisierung ebenso ab wie gegenüber der Ost-CDU Jakob Kaisers, in welcher der christliche Sozialismus dominierte und die Adenauer unter dem Druck der verhaßten Kommunisten sah.