Das Ahlener Programm wurde bald wegen des parteilosen Honorarprofessors Ludwig Erhard obsolet. Als Direktor des Wirtschaftsrats der amerikanisch-britischen Bizone stellte er seit März 1948 die Weichen für die soziale Marktwirtschaft, das vom Nationalökonomen Adolf Müller-Harnack bereits 1946 veröffentlichte Konzept einer auf Wettbewerb basierenden, aber durch soziale Sicherungen menschlich gestalteten Wirtschaftsordnung. Als dieses Konzept von der gesamten CDU der drei Westzonen zum ersten Bundestagswahlkampf 1949 in ihre Düsseldorfer Leitsätze aufgenommen wurde, erkannte Johannes Abers, Führer des christlich-sozialen Parteiflügels: "Man ist sich klar, daß der Vortrag des Professors Erhard das Ahlener Programm in seinem Grundgefüge aufhebt."

Mit Gründung des Bonner Staates stand für vier Jahrzehnte dem "real existierenden Sozialismus" die soziale Marktwirtschaft gegenüber.

Zum Sieger der Geschichte wurde sie nicht als dritter Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Sie siegte in gesellschaftlichem Konsens als Kapitalismus mit menschlichem Antlitz. Können ihm kosmetische Operationen helfen?

Bernhard Wördehoff, ehemaliger Chefredakteur des Deutschlandfunks, ist Journalist in Hamburg