Gelegentlich läßt sich die Börse nur mit medizinischen Begriffen beschreiben. Das Bulletin von Telekom-Chef Ron Sommer, der Deutschland im T-Aktienfieber wähnte, ist noch in guter Erinnerung. Daß sich die Banken als Geburtshelfer der Aktienemission einer Schweigepflicht über den Zustand des Börsenneulings unterwarfen, erinnert ebenfalls an ärztliche Gepflogenheiten.

Nun ist der Kurs erstmals unter dreißig Mark gesunken. Operation gelungen, Patient tot? Ganz so düster ist die Situation nicht.

Die Telekom lebt, auch wenn sie längst nicht so vor Kraft strotzt wie versprochen. Das Fieber ist abgeklungen, und von einer ansteckenden Aktiensucht kann zumindest bei deutschen Privatanlegern keine Rede sein. Auch das Ende der Schweigepflicht macht uns nicht viel schlauer. Zu unterschiedlich fallen die jetzt veröffentlichten Atteste aus. Immerhin ist die T-Aktie keine Droge. Selbst beim Kurs hat der Zeichner keine Entzugserscheinungen zu befürchten, wenn er sie absetzt.