Der umstrittene Eurofighter 2000, das neue Kampfflugzeug der Bundesluftwaffe, scheint unter Dach und Fach. Die Einigung, die Verteidigungsminister Volker Rühe und Manfred Bischoff, Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz-Aerospace (Dasa), in der vergangenen Woche über sämtliche Modalitäten der Beschaffung des Kampfflugzeugs erzielt haben sollen, wird zwar nicht offiziell bestätigt. Wer mit der Sprachregelung der Hardthöhe vertraut ist, weiß aber: Wenn "Gespräche positiv" verlaufen, gleichwohl noch "nicht abgeschlossen" sind, heißt das im Klartext: Konsens weitgehend erreicht Einigung über die letzten Zahlen hinter dem Komma steht noch aus. Das Verteidigungsministerium signalisiert zudem eine definitive Kabinettsentscheidung über die Beschaffung "in Bälde". Ein Veto des Finanzministers ist nicht zu erwarten Rühe hat dem Bayern Theo Waigel verdeutlicht, daß vor allem die in Bayern beheimateten Flugzeugunternehmen leer ausgehen, sollte er zusätzliches Geld für das Projekt verweigern. Daß sich die Koalitionsfraktionen querlegen, ist gerade nach der jüngsten amerikanischen Herausforderung für die deutsche und europäische Luftfahrtindustrie unwahrscheinlich. Im Gegenteil - die Elefantenhochzeit der ohnedies schon starken US-Konkurrenten Boeing und McDonnell-Douglas dürfte das Projekt Eurofighter eher beflügelt haben. Ein militärischer Auftrag dieser Größe schafft den Europäern eine Atempause. Insofern dürfte die spektakuläre Fusion in den Vereinigten Staaten für die bisher ausstehende deutsche Entscheidung zugunsten des Vierländerprojekts mehr bewirkt haben als die Industrielobby in fünf Rühe-Jahren.

Der Eurofighter ist ein Kampfflugzeug für die Luftstreitkräfte von Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien. Die Bundesluftwaffe, die vor dem Zusammenbruch des Ostblocks 240 Maschinen kaufen sollte, will nur noch 180 beschaffen. Nach Entwicklungskosten um acht Milliarden Mark wird die Beschaffung etwa 24 Milliarden Mark verschlingen der Gerätesystempreis (Flugzeug ohne Bewaffnung, aber inklusive Ersatzteilen, Logistik, Ausbildung und Kundenservice) liegt bei etwa 130 Millionen Mark pro Stück. Er bleibt damit halbwegs im Rahmen, den Rühe bei seinem Amtsantritt 1992 anvisiert hatte.

Damals hatte die Industrie für das noch Jäger 90 genannte Flugzeug einen Preis von 133 Millionen Mark präsentiert. Nach Überlegungen, das Projekt wegen Unfinanzierbarkeit ganz zu streichen, kaprizierte sich Rühe auf eine abgespeckte Jäger-Version unter hundert Millionen Mark. Damit ließ er sich zugleich auf ein langwieriges Tauziehen mit der Industrie ein, das nun beendet scheint. Bei den Preissteigerungsraten, denen hoch komplexe Industrieprodukte seit 1992 unterlagen, kommt der jetzt genannte Preis Rühes ursprünglichen Vorgaben sehr nahe.

Allerdings bedeutet das nicht viel. Rüstungsprojekte verteuern sich immer erst dann überproportional, wenn der sogenannte point of no return überschritten ist, eine Umkehr also nicht mehr möglich ist, weil das teurer wäre, als das Projekt zu vollenden. Es kommt daher darauf an, ob es Rühe gelingt, die Preisverträge festzuzurren.

Eines ist unstreitig: Anders als bei einem wiederholt als Alternative zum Eurofighter erwogenen Kauf eines vergleichbaren, preiswerteren Flugzeugs aus Frankreich, Schweden oder den USA fällt die volkswirtschaftliche Wertschöpfung bei heimischer Fertigung in Deutschland an. Nach Angaben der Dasa werden allein in Deutschland langfristig bis zu 18 000 Arbeitsplätze gesichert.