George Soros hatte am vergangenen Wochenende ins Audimax der von ihm ins Leben gerufenen Central European University in Budapest die Chefredakteure von über dreißig Zeitungen aus den neuen Demokratien Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion zu einer Diskussion über die Zukunft Europas geladen. Die Europäische Währungsunion, warnte er, könne in Schwierigkeiten geraten. Ob er denn bereit sei, über die Art dieser Schwierigkeiten zu spekulieren? Das straffe, immer sonnengebräunte Gesicht George Soros' verzog sich zu einem fröhlichen Grinsen: "Ich möchte auf keinen Fall spekulieren."

Der Mann, 1930 selbst in Budapest geboren, ist ein Bündel von Widersprüchen. Der Spekulant verdankt sein Milliardenvermögen nicht zuletzt den Unzulänglichkeiten staatlicher Währungspolitik - und setzt sich doch energisch für bessere Regeln zur Vermeidung derartiger Spekulationsgewinne ein.

Er scheffelt das Geld und gibt zugleich ein Großteil davon für gemeinnützige Zwecke wieder aus. Rund 350 Millionen Dollar im Jahr, mehr als die mächtige Ford Foundation, investiert er in die Demokratisierung Osteuropas. Im umzingelten Sarajevo wurden mit seiner Hilfe Brunnen gebohrt, um die Wasserversorgung sicherzustellen.

In Rumänien hilft seine Stiftung verfolgten Zigeunern. Seine Budapester Universität bildet 500 Studenten aus. Und in seinem neuen Heimatland Amerika hat er gerade zwei Volksbegehren, die den Gebrauch von Marihuana für medizinische Zwecke legalisieren, zum Erfolg verholfen.

Als die Universität Oxford Soros die Ehrendoktorwürde antrug, schlug er als Berufsbezeichnung vor: "Finanzier und Spekulant, Philosoph und Philanthrop." Seine Philosophie ist die Karl Poppers, sein Ziel die "offene Gesellschaft". Sie will er mit seinen Mitteln und Möglichkeiten fördern, auch wenn er zugibt: "An sich bin ich gegen jede Art von Philanthropie denn sie widerspricht der menschlichen Natur."

Dennoch hat nicht das Geldverdienen, sondern das Geldspenden George Soros zu einer internationalen Autorität gemacht er genießt sie, durchaus auf sympathische Weise. Aber seine Geldspritzen für die offene Gesellschaft sind nicht bloßer Altruismus. Vielmehr entsprechen sie einer Art gesellschaftlichem Selbsterhaltungstrieb, den er vor kurzem der Zeitung Moscow News so erläuterte: "Ich war vierzehn, als die Nazis Ungarn besetzten und mit der Ausrottung der Juden begannen mein Vater konnte uns falsche Papiere verschaffen, und so haben wir den Krieg überlebt. Dann kamen die sowjetischen Soldaten und ich mußte meine Heimat verlassen . . . Als junger Mann habe ich erfahren, was eine geschlossene, totalitäre Gesellschaft bedeutet. Wenn ich zu einem entschlossenen Anhänger der offenen Gesellschaft wurde, dann schlicht und einfach deshalb, weil Leute mit meiner Einstellung sich nur in einer offenen Gesellschaft entwickeln können."

Auch deshalb wehrt sich der Kapitalist Soros in seinem Artikel dagegen, daß der Markt zum Maß aller Dinge wird.