Kajo Neukirchen gilt als knallharter Sanierer. Dieses einseitige Image würde der Vorstandschef der Metallgesellschaft (MG) gerne abschütteln, aber er kommt nicht davon los - im Gegenteil. Denn auch bei der geplanten Übernahme der Industrieholding AGIV durch die MG scheinen tiefere Einschnitte unausweichlich.

Daß ein Mischkonzern bei einem anderen einsteigt, verwundert in Zeiten, in denen sich Unternehmen auf bestimmte Kerngeschäfte konzentrieren. Hinzu kommt, daß die AGIV derzeit in keiner guten Verfassung ist. Immer wieder hatte die Holding in den vergangenen Jahren mit Problemen ihrer Beteiligungsgesellschaften zu kämpfen, die sich 1995 in einem Verlust von nahezu 300 Millionen Mark und in einem Fall des Aktienkurses um fast die Hälfte auf unter 20 Mark niederschlugen.

Des Rätsels Lösung: Die AGIV ist preiswert zu haben. Denn trotz ihrer Schwierigkeiten verfügt sie über eine Reihe interessanter Beteiligungen. Unter Analysten gilt deshalb der Kaufpreis von rund einer halben Milliarde Mark, den die Metallgesellschaft für knapp die Hälfte des AGIV-Aktienkapitals an die BHF-Bank bezahlt, fast als ein Schnäppchen. Das Geschäft hat aber nur dann einen Sinn, wenn Neukirchen die Spreu vom Weizen trennt, also nur bestimmte Beteiligungen in den MG-Konzern übernimmt und andere verkauft.

Das läuft auf eine Zerschlagung der traditionsreichen Holdinggesellschaft hinaus - und auf eine Festigung von Neukirchens Image.

Einmal hat die Vernunft gesiegt, aber künftig wird das nicht mehr vorkommen - das ist die Formel, auf die sich Österreichs Regierungskoalition nach dramatischem nächtlichen Tauziehen am Sonntag geeinigt hat. Zwar bekommt Finanzminister Viktor Klima (SPÖ) von seinem konservativen Koalitionspartner die Erlaubnis, die Creditanstalt, zweitgrößte Bank des Landes, an den Branchenführer Bank Austria zu verkaufen (ZEIT 3/95). Aber in Zukunft muß die ganze Regierung zustimmen, wenn der Finanzminister noch einmal ein Unternehmen privatisieren will - eine hohe Hürde.

Mit der Wiener Elefantenhochzeit bekommt Österreich nun erstmals eine Bank, die zu den größten dreißig in Europa gehört. Der Staat, der seine liebe Not hat, den Haushalt auszugleichen, wird mit 2,45 Milliarden Mark entlastet. Obwohl wirtschaftlich sinnvoll, kam der Deal nur unter schwersten politischen Konvulsionen zustande.

Die konservative Volkspartei fürchtete, durch den Verkauf der "schwarzen" Creditanstalt an die "rote" Bank Austria Macht und Einfluß zu verlieren, und blockierte das Geschäft beinahe bis zum Koalitionsbruch. Nun ließ sie sich mit Kompensationen beruhigen - und der Zusicherung, daß künftig wieder alles seinen schwarz-roten Gang geht.