Allmählich senkt sich der Sargdeckel über der deutschen Unterhaltungselektronik.

Von der einst so stolzen Branche ist kaum noch etwas übrig. Und außer vagen Hoffnungen ist keine Perspektive auszumachen.

Nichts zeigt den Niedergang so drastisch wie der Rückzug des niederländischen Elektronikmultis Philips bei Grundig. Unter ihrem neuen Chef Cor Boonstra geben die Holländer, die gut dreißig Prozent der Grundig-Anteile halten, die unternehmerische Führung des fränkischen Traditionshauses auf. Die mehrheitlich beteiligten Grundig-Erben stehen für diese Aufgabe gar nicht erst zur Debatte.

Daß Philips von diesem Jahr an die Verluste der Deutschen nicht mehr tragen würde, war schon Anfang 1996 klar. Noch bis Dezember versuchten Strategen beider Firmen, wenigstens ein gemeinsames Konzept für ihre konkurrierenden Marken zu finden - vergebens.

Philips will weltweit nur noch mit dem eigenen Logo antreten und hat daher für das Sorgenkind keine Verwendung mehr. Ein harter Schlag für die Psyche des Fürther Unternehmens: Der europaweit bekannte Markenname, auf den man bei Grundig trotz riesiger Verluste immer noch stolz war, wird zur Last.

"Das ist sicher nicht Hamburger Kaufmannsart", schimpft der nach eigenen Worten "stinksaure" Grundig-Vorstand Hans Burkhard, der auch der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) vorsteht. Wenn das Unternehmen keinen potenten Käufer findet, werden spätestens 1998 auch die restlichen 8000 Arbeitsplätze in akute Gefahr geraten. Als ein Kandidat wird der südkoreanische Mischkonzern Daewoo gehandelt, der schon - vorerst vergeblich - die französische Elektronikgruppe Thomson Multimedia übernehmen wollte. Eine von Grundig beauftragte Investmentbank soll auch in der Telekommunikation nach Rettern suchen. Daß der Finanzchef Ende des Monats das sinkende Schiff verlassen will, erleichtert die Aufgabe allerdings ebensowenig wie die Unsicherheit darüber, ob der noch von Philips eingesetzte Chef Pieter van der Wal bleiben darf. Auf Unterschriftenlisten drängten die Mitarbeiter den Verschlanker mit dem Spitznamen "Killerwal" und andere Philips-Manager Anfang der Woche, "das Unternehmen Grundig zu verlassen".

Verlustübernahmen von 1,5 Milliarden Mark hat Philips schon im Fränkischen gelassen und sich aus dem Vertrag mit den Grundigs herauszukaufen, wird nicht eben billig: Die Familie kassiert eine Garantiedividende von den Niederländern und kann auf das verbriefte Recht pochen, dem Konzern ihre Anteile im Jahr 2004 für mehr als eine halbe Milliarde Mark zu verkaufen.