Türken, Exjugoslawen, Marokkaner und Tunesier, die jünger als sechzehn Jahre alt waren und nach Deutschland reisen wollten, brauchten bislang kein Visum. Sie sollten ohne bürokratischen Aufwand zu ihren Familien fahren können. Diese Ausnahme hat Bundesinnenminister Kanther jetzt gestrichen.

Für die Einführung der Visumpflicht gibt es Gründe: Letzthin kamen immer mehr Kinder und Jugendliche, die keine Verwandten in der Bundesrepublik haben. Ihre Eltern vertrauten sie Schleppern an, um eines Tages selber nachziehen zu können. Andere wurden als Prostituierte oder Drogenkuriere eingeschleust.

Die neue Verordnung hat indes einen gravierenden Mangel. Nun sollen auch jene Kinder, die bereits in Deutschland leben oder sogar hier geboren wurden, ein Berechtigungspapier vorlegen. Bis zum Jahresende müssen sie eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Das kostet Zeit, Geld undNerven. Außerdem ist völlig unklar, für welche Dauer die Genehmigung erteilt werden soll: befristet, unbefristet oder an den Aufenthaltsstatus der Eltern gekoppelt?

Daran hat in Bonn wieder einmal niemand gedacht. Ebensowenig wie an das längst überfällige Versprechen, ausländischen Kindern, für die Hamburg, München, Köln, Berlin oder Offenbach zur Heimat geworden ist, endlich den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft zu erleichtern. So wird - bewußte? - Nachlässigkeit und Schlamperei zum unfreundlichen Akt.