DUISBURG. - Der Bezirksvertreter der SPD, Helmut Kanngießer, sagt: "Früher saßen die Türken ja alle auf gepackten Koffern. Heute hamse hier was zu sagen und dort was zu sagen. Und jetzt wollen sie auch noch den Muezzin rufen lassen!" Pause. "Das ist nicht meine Meinung, sondern die der Leute."

Der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Jürgen Kämpgen, hingegen gibt seine eigene Meinung wieder: "Man kann den Bürgern ja eine Menge zumuten, aber irgendwann ist das Faß voll. Die Leute fragen sich doch: Leben wir noch in Deutschland?"

Ihn erschreckten solche Politiker-Äußerungen, bekennt Ücler Köksal, ein Sprecher der 37 Duisburger Moscheevereine. Vor allem aber entsetzt ihn der Haß aus der Bevölkerung, den er in den 26 Jahren, die er in Duisburg lebt, so noch nie zu spüren bekommen habe: "Jedesmal, wenn ich in den vergangenen Wochen in der Zeitung zitiert wurde, habe ich hinterher Anrufe mit Drohungen und Beleidigungen erhalten."

Rund 7000 Menschen, Deutsche und Türken, wohnen in dem kleinen nördlichen Stadtteil Laar, eingezwängt vom Rhein im Westen und einer gigantischen Thyssen-Stahlwerkskulisse im Osten. Bis vor wenigen Wochen schien das Zusammenleben in Laar, wie überhaupt in Duisburg, gut zu funktionieren. 55 000 Einwohner, ein Zehntel der Stadtbevölkerung, sind Türken. War das Bild von der friedlichen Koexistenz nur ein Trugbild?

Seit bekannt wurde, daß zwei Moscheevereine aus Laar und Marxloh bei der Verwaltung beantragten, den Muezzin künftig per Lautsprecher zum Gebet rufen zu lassen, erhebt sich der Volkszorn. Die Stadt ließ die Anträge erst mal schmoren und erkundigte sich, wie andere Kommunen dies handhaben.

In Hamm, Dortmund und Oldenburg etwa ruft der Muezzin schon längst per Lautsprecher, in Siegen sogar dreimal am Tag. Entscheidend war lediglich, daß die Lautstärke 69 Dezibel nicht überschreitet.

Probleme gab es bislang meist nur in Kleinstädten wie Dillenburg.