Bonn

Es gibt Mutmaßungen, gegen die helfen keine Dementis. Alle, die sich am Führungskampf der bayerischen CSU beteiligen, behaupten immer wieder, es gebe innerhalb der Parteispitze keine Dissonanzen und Rivalitäten, dafür aber viel Harmonie und Geschlossenheit.

Und schon entbrennt ein neuer Streit, der neue Klarstellungen verlangt.

Nicht einmal die alljährlichen Treffen in Kreuth, einst Messen innerparteilicher Geschlossenheit, lassen sich mehr wie gewohnt inszenieren. Franz Josef Strauß, altmeisterlich in Öl, hängt in der Kreuther Vorhalle und blickt auf sein Erbe: Diadochenscharmützel, Stellvertreterkriege. Verständlich vielleicht, gemessen an der Größe der Erbschaft. Nur daß die Konflikte immer nichtiger werden, verwundert den Zuschauer.

Früher stritt die CSU am liebsten gegen die Liberalen. Das ging noch allemal gemeinsam, auch wenn ansonsten nichts mehr ging.

Auch diese eherne Regel gilt nicht länger. Die CSU streitet jetzt über die FDP. Da erklärt der bayerische Ministerpräsident die Liberalen zur "Partei der sozialen Kälte", und schon sieht sich CSU-Generalsekretär Bernd Protzner zur Ehrenrettung des Bonner Koalitionspartners veranlaßt: Die Äußerung von "Herrn Stoiber" sei nicht Linie der CSU. Feinsinnig, wie es nicht immer seine Art ist, wollte Waigels Statthalter in München die FDP nicht nur als "Gegner", sondern auch als "Partner" gewürdigt wissen. Der Feinsinn zielte auf Stoiber. Der reagierte auch prompt. Schneidend kalt gegen Protzner, dabei maliziös in der Sache: Früher sei es nicht Aufgabe des Generalsekretärs gewesen, die FDP gegen Angriffe aus der CSU zu verteidigen.

Ja, früher. Aber damals hatte die CSU keine Doppelspitze nötig.