Kinderkanal, täglich

Unsere Kinder sehen zuviel fern" - dieser mehrheitsfähige Satz spricht nicht für einen öffentlich-rechtlichen Kinderkanal. Bei noch mehr Programm hocken womöglich noch mehr Kurze vor der Kiste, statt ein schönes Bild zu malen oder auf dem Schoß der Oma nichtelektronischen Märchen zu lauschen. Es geht denn auch weniger darum, daß Kinder zuviel, sondern daß sie die falschen Programme gucken - aus der Sicht von ARD und ZDF.

Das Kommerzfernsehen hat die noch nicht Schulpflichtigen durch bunte Wochenvormittage angelockt - da mußten die Altsender dagegenhalten.

So ist ihr Kinderkanal (KK) mit Redaktion in Erfurt (mdr) eher ein Versuch, die Kleinen an Opas Fernsehen zurückzubinden, als eine erzieherische Großtat.

"Michel aus Lönneberga", "Pumuckl", "Heidi" und "Als die Tiere den Wald verließen" finden unter den nachwachsenden Vorschulkindern gewiß immer neue Freunde - ganze wie "Woody Woodpecker" und die "Gargoyles" auf RTL. Es hat wenig Sinn, sich hier programmanalytisch ins Zeug zu legen und womöglich den KK-Machern eine höhere pädagogische Verantwortung zu bescheinigen. ARD und ZDF tun mit der Einrichtung eines Kinderkanals nichts anderes, als was sie seit der Frequenzfreigabe fürs Privatfernsehen vor dreizehn Jahren stetig tun: Sie stellen sich der Konkurrenz.

Daß der KK noch nicht in allen Bundesländern empfangen werden kann, weil die Loyalität mancher Politiker zu "ihren" Kommerzsendern das verhindert, spricht Bände. Überhaupt ist das pädagogische Bemühen in der Politik stets daraufhin zu prüfen, ob es nicht bloß so tut, als ob - und damit ganz andere Interessen bemäntelt.

Die Kinder jedenfalls, die mit verschärftem Herzklopfen auf die ersten Ausstrahlungen des KKs schauen, haben die Pubertät längst hinter sich, für Pumuckl und Power Rangers nicht so viel übrig und einzig die Quote im Sinn.