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Der Irrtum ist ein Irrtum gegenüber der Kunst. Die Initiatoren um Lea Rosh hatten sich eine monumentale Bilderwelt ausgemalt, mit Betroffenheitsformeln überschrieben und an die Künstler als Losung weitergereicht. Offensichtlich war kaum jemandem bewußt, daß das Berliner Denkmal nicht vom Holocaust handeln kann und daß die Sprache der Kunst nach dem Holocaust notwendig eine andere ist.

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Wer jetzt immer noch nach einem unzweideutigen Sinn verlangt, nach einer einzigartigen Rhetorik der Bewältigung, hat dem Entweder-Oder der Mediengesellschaft schon Tribut gezollt.

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Jedes kollektive Gedächtnis, das sich im Denkmal eine Form gibt und so die Aufgabe der Erinnerung delegiert, verrät zugleich eine tiefe Sehnsucht nach dem erlösenden Vergessen, nach Entlastung von einer Vergangenheit, die nicht vergeht.