Inmitten der grünen Hölle Palumbiens, im Dreiländereck zwischen Brasilien, Kolumbien und Peru, lebt ein gelb-schwarz geflecktes Tier mit einem acht Meter langen Schwanz - das Marsupilami .

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Von seiner Existenz hörte die staunende Welt erstmals im Jahre 1952, als der belgische Autor André Franquin das possierliche Wesen ("Huba! Huba!") in die Comicserie "Spirou und Fantasio" einführte. Seither hat das Marsupilami die Herzen von zigmillionen kleinen und großen Lesern erobert; als Plüschtier macht es dem altgedienten Teddybär Konkurrenz.

André Franquin, einer der ganz Großen unter den Comic-Künstlern, ist tot. Er starb am 5. Januar, zwei Tage nach seinem 73. Geburtstag. Wie kaum ein anderer hat es Franquin verstanden, Freude zu schaffen. Unter seiner Feder entstanden neben dem Marsupilami die beiden Reporter Spirou und Fantasio, der verrückte Graf von Rummelsdorf, der gefährliche Zyklotrop, der spleenige Redaktionsbote Gaston, das liebenswerte Paar Mausi und Paul. So spannend sich diese gezeichneten Abenteuer auch lesen, so sind sie doch beseelt von dem Wunsch ihres Schöpfers nach Harmonie - einem Frieden, den Franquin in der realen Welt bald entdecken konnte.

Gegen den Willen seines Vaters, eines Brüsseler Bankiers, der seinen Sohn gern als studierten Agronom gesehen hätte, ergriff Franquin den Beruf des Humoristen. Er mußte seinen Frohsinn dem Leben abtrotzen: "Wenn man Lachen kaufen könnte, hätte ich es wie eine Droge gekauft." Der Belgier erwies sich als äußerst talentierter Zeichner und Erzähler; er hatte großen Erfolg und wirkte stilbildend für eine ganze Schule von Comickünstlern. Aber schon seinen humoristischen Serien merkt man die Anteilnahme an der "wirklichen Welt" an Franquin war ein ausgesprochener Gegner allen Militarismus; er setzte sich deutlich für die Erhaltung der Natur ein.

Seit vielen Jahren litt André Franquin unter Depressionen. Er gab seine alten Serien auf und schuf eine ganz andere Art von Comic, die "Schwarzen Gedanken", in denen er zeichnerisch über das Böse in der Welt reflektierte: "Ich bin überzeugt, daß der Mensch nie zivilisiert sein wird. Er wird sich selbst zerstören." Man dürfe aber nicht zuviel darüber reden, meinte der Zeichner, der bei allem Erfolg immer bescheiden und liebenswürdig geblieben war; das würde den Leuten ja die ganze Freude am Leben nehmen.