Auf sieben wichtigen innerdeutschen Strecken greift die Deutsche BA (DBA) ab 20. Januar die Lufthansa verstärkt an: Mit einem neuen Servicekonzept und niedrigen Tarifen will die vor fünf Jahren gegründete Tochtergesellschaft der British Airways bis 1998 schwarze Zahlen einfliegen.

Neu im Streckennetz (jeweils acht Verbindungen täglich) sind die bisher von der Lufthansa im Monopol bedienten Strecken von München nach Köln und Hamburg. Rechtzeitig, bevor am 1. April die letzte Stufe der europäischen Luftverkehrsliberalisierung in Kraft tritt und auch ande-re EU-Gesellschaften innerdeutsche Routen bedienen dürfen, will die DBA auf den beiden aufkommensstarken Verbindungen Flagge zeigen. Sie beförderte 1995/96 in Deutschland gut zwei Millionen Fluggäste, während es bei Lufthansa im Inland rund dreizehn Millionen waren. DBA fliegt außerdem von Berlin nach Düsseldorf, Köln/Bonn, Stuttgart und München sowie zwischen München und Düsseldorf. Einzig Frankfurt findet sich bisher nicht im DBA-Flugplan, obwohl die Gesellschaft Dienste zwischen Rhein/Main und Berlin-Tegel anstrebt, die aber bisher am Frankfurter Engpaß bei Start- und Landezeiten scheiterten.

Entscheidende Neuerung für den Kunden ist das geänderte Tarifsystem der DBA mit drei Stufen. Die Flugpreise liegen deutlich unter denen der Lufthansa und sind sogar niedriger als die meisten bisherigen DBA-Tarife. Die günstigsten Tickets kosten künftig auf allen DBAStrecken einheitlich 190 Mark für Hin- und Rückflug (alle Preise ohne Gebühren), wobei mindestens vierzehn Tage im voraus gebucht werden muß und Änderungen nicht möglich sind. Die Lufthansa verlangt für ihr entsprechendes Angebot 260 Mark. Der nächste Tarif bei DBA liegt bei 290, beziehungsweise 320 Mark auf der Route Hamburg-München und unterliegt ebenfalls einigen Beschränkungen. Beliebig umbuchbare Flugscheine, die primär von Geschäftsreisenden genutzt werden, kosten bei DBA künftig auf allen Strecken 520 Mark hin und zurück, Ausnahme ist München-Hamburg mit 650 Mark. Bei der Lufthansa ist für das flexible Ticket zwischen Isar und Elbe 720 Mark in der Economy und 840 Mark in der Business class zu zahlen. "Wir erwarten aber, daß Lufthansa sich hier anpaßt", sagt Carl Michel, zuständiger Projektleiter bei der in München ansässigen Fluggesellschaft.

Die Lufthansa wird durch die DBA-Offensive im Inland weiter unter Druck geraten. Vor allem wird es ihr künftig schwerer fallen, Gäste in die Business class zu locken. Während in den Kranich-Jets weiterhin ein Vorhang die Kabine teilt, hat sich die DBA entschlossen, künftig nur eine Einheitsklasse anzubieten. An Bord erhält man Tageszeitungen, bis 8.45 Uhr wird allen Passagieren ein Frühstück mit Käsebrötchen und Croissant im Pappkarton gereicht. Tagsüber gibt es vollen Getränkeservice inklusive Wein, Bier und Spirituosen sowie Süßigkeiten und Knabbereien, allerdings keine Sandwiches.

Rund 40 Millionen Mark kostet die Produktüberarbeitung, worin ein Teil des mit 25 Millionen Mark größten Werbebudgets in der Geschichte der Gesellschaft bereits enthalten ist.

Mit ihren günstigen Tarifen tritt die DBA nicht nur gegen die Lufthansa, sondern auch gegen Auto und Bahn an. "Wir wollen den Markt für das Flugzeug vergrößern", so Carl Michel. Aus Verbrauchersicht ist Wettbewerb auf den bisherigen Monopolstrecken wünschenswert. Seit dem Markteintritt der DBA sind etwa auf der Strecke Berlin-München die Preise bei Business-class-Passagen um 21 Prozent zurückgegangen, während sie im selben Zeitraum auf der nur von Lufthansa beflogenen Route Berlin-Frankfurt um über 25 Prozent gestiegen sind. Die Preisgestaltung auf dieser Strecke wird zur Zeit vom Bundeskartellamt überprüft.