John Ward bastelt sein Glück aus dem Schrott anderer Leute. Einen ausrangierten Staubsauger, ein Bett, Wäschetrockner und Hunderte kleiner Technikteile fügte der Fabrikarbeiter zu seinem Moon Buggy zusammen. Die abenteuerlich anmutende Maschine blinkt zwar und gibt Sirenentöne von sich, hat aber scheinbar keine Funktion abgesehen davon, daß sie funktioniert. Mehr Sinn macht da Wards Woganmobile, eine Art rollender Torpedo, auf dem der Engländer im heimatlichen Northamptonshire Ausflüge unternimmt. "Viele Leute glauben, daß ich meine zweite Kindheit durchlebe", schmunzelt der vierfache Familienvater, "aber ich glaube, daß ich aus meiner ersten noch gar nicht heraus bin."

Der jung gebliebene Abfallverwerter, den die Nachbarn liebevoll "Mad Professor" nennen, ist einer von mehr als tausend Exzentrikern, die der Psychologe David Weeks vom schottischen Royal Edinburgh Hospital in Großbritannien und den Vereinigten Staaten aufgespürt und befragt hat. "Moderne Exzentriker vermeiden geschickt die Aufnahme in die Nervenheilanstalt", stellte der zierliche Wissenschaftler fest. Also suchte er über Aushänge in Pubs und Waschsalons, über Zeitungsartikel, Mund-zu-Mund-Propaganda und Fernsehshows nach den kuriosen Charakteren. Potentielle Kandidaten mußten jedoch erst einen von Weeks ausgetüftelten Exzentrikertest bestehen. Heraus kam eine Mischung aus allen Schichten: Selfmade-Millionäre und Einsiedler, Hausfrauen, Computerspezialisten und Universitätsprofessoren.

Die Ergebnisse der einzigartigen psychologischen Studie hat David Weeks jetzt mit dem amerikanischen Wissenschaftsautor Jamie James in dem Buch "Exzentriker - über das Vergnügen, anders zu sein" bei Rowohlt (286 Seiten, 38 Mark) veröffentlicht. "Exzentriker sind gesünder, weil sie glücklicher sind", glaubt Weeks in Hunderten von Interviews festgestellt zu haben. Die Käuze gingen beispielsweise nur alle acht Jahre zum Arzt, gewöhnliche Naturen hingegen müßten sich sechzehnmal häufiger in medizinische Behandlung begeben. Da die fröhlich Verrückten keine Konventionen kennen und sich nicht um das Geschwätz anderer Menschen kümmern, haben sie weniger Streß und mehr Lebensfreude als ihre konformen Mitmenschen, erklärt der Psychologe die Vitalität der Sonderlinge.

Doch nicht nur mit Gesundheit, auch mit Intelligenz scheinen sie gesegnet zu sein. Britische Exzentriker haben im Durchschnitt einen Intelligenzquotienten von 115 bis 120, hat Weeks mit seinen Tests ermittelt. Damit zählten die Typen "zu den begabtesten zehn bis fünfzehn Prozent der Bevölkerung". Ohnehin sei "Exzentrischsein oft mit Genialität gepaart", glaubt der Wissenschaftler und erinnert beispielsweise an Isaac Newton. Der Mathematiker und Astronom begründete vor 300 Jahren nicht nur die moderne theoretische Physik, sondern verwunderte seine Mitmenschen mit mitternächtlichen alchimistischen Experimenten. Auch Albert Einsteins Relativitätstheorie entsprang exzentrischer Geisteskraft, vermutet der Seelenforscher.

Während Exzentriker im Mittelalter als Hexen oder Zauberer verbrannt wurden oder bestenfalls als Hofnarren ihr Auskommen fanden, steht der Nonkonformismus laut Weeks heutzutage in voller Blüte - zumindest in demokratischen Gesellschaften. Gut die Hälfte der Exzentriker sind Frauen, und etwa 75 Prozent sind erstgeborene Kinder. England sieht der Psychologe als klassischen "Zufluchtsort für Exzentriker"; seiner Hochrechnung zufolge wandelt auf der Insel einer unter 10 000 Menschen am Rande des Wahns.

So ließ sich John Gray 1978 lebendig beerdigen, weil seine Frau mit einem anderen durchgebrannt war. Ehe dem Engländer in dem Sarg die Luft ausging, schaufelten ihn seine Freunde wie verabredet wieder ans Tageslicht. Der glücklich Auferstandene quittierte seinen Job als Lkw-Fahrer und gab sich einen neuen Namen, Jake the Rake Manglewurzel, und verwandelte sein Haus in eine bizarre Trutzburg, auf die er in weißer Farbe gepinselt hat: "Das ist die verrückteste Hütte in der Schöpfung." In seiner Heimatstadt Huddersfield sorgt er für Aufsehen, wenn er in skurriler Uniform mit Schlagstock und Handschellen für Ordnung sorgen möchte. Ihren sonderbaren Beschäftigungen gehen Exzentriker mit unbeirrbarer Hingabe nach, kommentiert Weeks. "Zu Kompromissen sind sie nicht bereit."