Alles zu dick. Nicht nur diese Zeitung, die in keine Gesäßtasche, keinen Tragebeutel mehr hineinpaßt. Aber wer paßt schon in was hinein? Eine Frage, die sich nicht zuletzt am Hosenbund entscheidet. Das Skihoserl, jahrelanger Gefährte junvenilen Wohllebens, jedenfalls klemmt. Was gestern noch ins Hoserl paßte, kneift heute und zerrt an den Nähten. Alles zu dick. Vor allem der Bauch, aus dem wir schließlich alle kommen. Was immer Mama oder Pastor Schorlemmer dazu auch sagen: Der Nabel der Welt ist noch immer der Bauch. Im Magen entscheidet sich das Schicksal, der Bauch macht den Menschen. Was einmal als süße Leibesfrucht im Körper saß, bleibt auch nach geglückter Entbindung außen als Schwarte zurück. Zuviel Fett auf den Hüften, zuviel Speck im Herzen, zuviel dicke Brühe im Kopf, und schon ist es passiert. Wo viel reinkommt, kommt zuviel raus. Das Leben verfettet, der Geist wird vollschlank, die Gedärme blähen, der Mensch ist verstopft, die Welt verstellt. Die Folgen - sinkende Lebensfreude, Kirchenaustritte, Zuwachs der Automobilindustrie, steigende Produktivitätsrate. Ein ernährungstechnischer Teufelskreis. Jedes Gnu, jeder afrikanische Windhund würde sich samt seiner Wampe in dieser Lage unter dem nächsten Maulbeerbaum begraben. Das durchschnittlich dralle Mitglied der Dienstleistungsgesellschaft begräbt lieber seine Skihose. Weste über den Spitzbauch, bißchen Creme aufs Mondgesicht, frische Brise unter die Achselhöhlen, so zieht er hinein ins Leben. Oder hinaus? Der dicke Mensch ist sich da nie ganz sicher. Wo im ganz Dicken ist innen und wo außen? Oder ist der Dicke nicht vielmehr innen und außen zugleich? Ist er nicht der Überfluß und im Überfluß, ist er nicht die Katastrophe und in der Katastrophe, weil es in ihm nicht anders als um ihn ist - dick? Das sind tonnenschwere Fragen, ja das ist eine kleine Philosophie der inneren und äußeren Schwergewichte, wie man sie in dieser ersten Woche des Fastenmonats Ramadan gar nicht trefflicher ins Feld führen könnte. Morgens früh um sechs sollte in diesen Wochen die letzte Nuß, das letzte Apfelstückchen verputzt sein. Denn Gott, der überall und besonders bei den Dicken ist, freut sich über jedes noch so kleine bißchen Bulimie, er freut sich über jede kleine Gurkenkur, über jedes kleine Fastenstündchen. Wenn die dürre bleiche Wintersonne in den nächsten dreißig Tagen ihren müden Himmelslauf antritt, soll deshalb nach Gottes Wille kein Kekskrümel mehr über des Dicken Lippen kommen.

Was da droht, ist der Beginn der Dicklosigkeit. Das allzuweiche Fleisch geschmolzen, die Rippen schön zu zählen, die Hüftknochen hübsch übersichtlich, die Stampfer wundersam entschlackt, das Doppelkinn nur noch halb so doppelt, so ist der Dicke von heute die Ruine von morgen, geschrumpft, gebündelt und geglättet. Doch so dick wird es nicht kommen. Dünn ist doof, dick ist schick, fett ist nett.

Nachbarin, Euer Brötchen!

Finis