Das mit dem Euro wird nichts. Denn Geld ist keine Sache der Vernunft, sondern eine des Gefühls. Und das kommt so: Wenn wir klein sind, drücken uns die Großen Bares in die Hand. "Kauf dir was Schönes", sagen sie. Also ziehen wir los und halten dem Kaufmann die geöffnete Hand hin.

Für 2 Pfennig etwa bekommen wir 1 Erdbeerbonbon, von dem man eine knallrote Zunge kriegt. Für 5 Pfennig händigt man uns 1 Salino aus, eine matt schwarz schimmernde Lakritzraute. Alle silbrig glänzenden Münzen (1 Mark!) hingegen müssen laut Regieanweisung der alten Säcke in die Sparbüchse, aus dem sich die Kröten nur mit einer mütterlichen Haarnadel wieder herauskitzeln lassen wenn überhaupt. Dafür gibt es dann 1 Cornetto.

Sind wir dann groß und ist die Welt ein wenig glanzloser geworden, geht es um andere Summen, unsere Lektion aber haben wir gelernt: Sehr kleine Dinge machen 2 Pf, die großen 1 DM, und 50 Millionen sind Peanuts. Wollen wir etwas kaufen, müssen wir nicht rechnen und nicht lange nachdenken - "100 Mark, 100 Mark, 100 Mark, das ist viel Geld" -, wir fühlen die Summe instinktiv, genauso wie wir fühlen: Ein lauer Wind aus dem Süden? Das ist der Frühling!

Mit den Jahren haben wir uns eine Art innere Zentralbank geschaffen. Erst sitzt da ein rotznäsiger Mensch in Turnschuhen und T-Shirt, später sitzen da lauter sensible Damen und Herren in gediegenem Grau. Still ist es hier, alles geht seinen Gang. Nur wenn es um sehr viel Mäuse geht, hebt einer der Stillen eine Augenbraue. Dann zucken wir zusammen und legen das Ding, das wir kaufen wollten, wieder zurück. Muß ja nicht sein!

Solange wir bleiben, wo wir sind, ist alles gut. In Aufruhr gerät die Zentralbank erst, wenn wir mal ins Ausland fahren und uns die Nullen und Einsen auf den fremden Geldscheinen nichts mehr sagen. Dann beginnt das große Umrechnen. Wieviel ist das in Pfennig und Mark? Und selbst wenn wir es hinkriegen, den Preis für das elegante Hemd im Designerladen mit 16,3 zu multiplizieren, bleibt die Summe seltsam fremd.

Eine kleine Leidensgeschichte gefällig?