Verletzte Eitelkeit, Wichtigtuerei und Rachsucht standen am Anfang. Sie haben die López-Affäre ausgelöst und den interkontinentalen Krieg der Autokonzerne General Motors und Volkswagen mehr als dreieinhalb Jahre lang munitioniert. Am formalen Ende vergangene Woche, dem Friedensschluß mit schriftlichem Vergleich in artigem Ton und 100-Millionen-Dollar-Strafe für die bösen Wolfsburger, sind die gefährlichen Gefühle - allen Beteuerungen zum Trotz immer noch nicht besänftigt, die Streithälse nur zu netten Sprüchen verdonnert.

Einer hielt sich schon am vergangenen Freitag nicht mehr daran und versuchte den großen Helden zu spielen: Hans Wilhelm Gäb, Opel-Aufsichtsrat und Vice President von General Motors (GM) für das nichtamerikanische Geschäft, der im Konflikt mit VW stets als Scharfmacher auftrat. "Uns ist seit langem klar gewesen", räsonierte Gäb öffentlich, "daß eine wirkliche Wiedergutmachung der angerichteten Schäden und ihre Durchsetzung vor Gericht die Existenz des Volkswagen-Konzerns und damit Hunderttausende von Arbeitsplätzen direkt gefährdet hätten." Gäbs abenteuerliche Ansicht im Klartext: Nur weil General Motors samt Tochter Opel jetzt Gnade walten ließ, gibt es für Volkswagen, den größten Autohersteller Europas, überhaupt eine Zukunft.

In Wahrheit hätte Gäb ebenso wie Louis Hughes, der früher Opel leitete und heute die gesamte GM-Autosparte außerhalb der Vereinigten Staaten beaufsichtigt, den jetzt geschlossenen Vergleich mit Volkswagen am liebsten ganz verhindert. Denn den beiden Falken im Lager der Amerikaner sind die Konditionen viel zu lasch, auf die sich die beiden Autokonzerne geeinigt haben: Alle Zivilprozesse werden eingestellt, die nach dem spektakulären Wechsel des Kostenkillers und Einkaufschefs José Ignacio López von GM zu VW wegen der dabei mitgenommenen Geschäftsgeheimnisse in Deutschland und USA laufen.

Den Falken reichen auch die 100 Millionen Dollar nicht, die VW als einmalige Wiedergutmachung zu zahlen hat. Dabei fließen zusätzlich binnen sieben Jahren verdeckt noch einmal so viele Dollars in die GM-Kassen, und zwar in Form eines zehnprozentigen Gewinns auf Zulieferteile im Volumen von einer Milliarde Dollar, die Wolfsburg beim Vergleichspartner einkaufen muß. Das materielle Resultat der seit September vergangenen Jahres laufenden Friedensverhandlungen addiert sich also auf 200 Millionen Dollar oder gut 315 Millionen Mark.

Diese Summe, immerhin fast identisch mit dem 1995er-Gewinn des VW-Konzerns nach Steuern, zeigt, daß die amerikanischen Unterhändler, mit dem Verwaltungsratschef John Smale und dem Konzernjuristen Thomas Gottschalk an der Spitze, knallhart auftraten und ihrem Counterpart Jens Neumann, VW-Vorstand und engster Vertrauter des Vorsitzenden Ferdinand Piëch, nichts schenkten. Der satte Betrag belegt zudem überzeugender als alle Beteuerungen, daß Volkswagen - und nicht nur López - Dreck am Stecken hat.

Als moralische Sieger in dieser ziemlich einmaligen Auseinandersetzung stehen deshalb General Motors und Opel da.