Wenn Beamte ins Fernsehen einsteigen, dann können sie was erleben. Der hessische Rechnungshof machte sich 1992 daran, die Unterhaltungsabteilung des Hessischen Rundfunks (HR) zu durchforsten. Und fand zahlreiche Unregelmäßigkeiten. Darum stand der frühere Unterhaltungschef des Senders, Jochen Filser, im Herbst vergangenen Jahres vor Gericht. Vier Sendeentwürfe, für die der HR 1990 dem Autor, Unterhaltungsproduzenten und SPD-Politiker Diether Dehm 100 000 Mark gezahlt hatte, waren nicht auffindbar. Wurden sie je geliefert?

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt machte daraus eine Anklage wegen Untreue zum Nachteil des HR: Filser habe in Wahrheit 89er-Etatmittel, die zu verfallen drohten, ins neue Jahr retten wollen. In einem Anfall von "Dezemberfieber" sei die Idee einer "schwarzen Kasse" entstanden, die Dehm habe verwalten sollen. Der also wegen Beihilfe zur Untreue Angeklagte Dehm, Manager übrigens von Katarina Witt und Texter von Klaus Lage, habe die Entwürfe entweder gar nicht oder nur Skizzen zum Schein geliefert (Az. 92 Js 20371.0/94 916 A Ls).

Im Frankfurter Prozeß ging es um ein sogenanntes "Ideengeschäft": Wurde es erfüllt, war es seinen Preis wert? Manche Ideen sind bekanntlich gar Gold wert, hatten jahrzehntelang Erfolg - von "Was bin ich?" bis "Wetten, daß . . ?". Bei Diether Dehms Eingaben an den HR - mit Titeln wie "Deckel drauf", "Durch die deutsche Nacht", "In 80 Tagen um die Welt" und "Hast du Töne" blieben Zweifel in mancher Hinsicht. 100 000 Mark für ein nicht wahrgenommenes Nutzungsrecht?

32 000 Mark hatte Dehm an Aufwendungen. Für demnach 68 000 Mark Honorar mußte er nichts weiter als vier Vorschlagsskizzen liefern. Die Papiere von wenigen Seiten Umfang wurden ihm folglich jeweils mit 17 000 Mark vergütet. Da sträubt sich das gesunde Volksempfinden, und der Staatsanwalt wittert Untreue, wenn nicht Betrug. Auch bestellte Gutachter wie der ZDF-Unterhaltungschef Axel Beyer bezeichneten die Honorierung als überhöht.

Dennoch, nach neun Verhandlungstagen war die Konstruktion der Frankfurter Anklage in sich zusammengefallen. Der Untreue-Vorwurf hatte sich nicht erhärten lassen: Nicht nur, daß sich der HR nie als Geschädigter gesehen hatte. Zahlreiche Zeugen bekundeten, an den Exposés mitgearbeitet und sie persönlich beim HR abgeliefert zu haben. Warum die bis auf eines gleichwohl verschollen blieben, dafür bleibt als Erklärung nur noch interne "Schlamperei" übrig, die der Fernsehdirektor Hans-Werner Conrad als Zeuge vor Gericht denn auch einräumte. Jochen Filser (und in diesem Punkt auch Diether Dehm) wurden also freigesprochen.

Trotz alledem bleiben Fragen offen, zum Beispiel die, warum der doch so erfahrene Unterhaltungschef einen wie Peter Reichelt überhaupt je eingestellt hat. Der 38jährige Journalist, der sich im Prozeß als Zeuge der Anklage blamierte, bekam für zwei Sendungen, die er zu betreuen hatte, zeitweise 16 000 Mark monatlich vom HR. Eine Hälfte zahlte der Sender direkt, die andere eine vom HR beauftragte Produktionsfirma, denn: "Ich hätte mehr verdient als der Intendant."