Auf gut sächsisch glossierten wir vor zwei Wochen die Erkenntnis eines Sprachwissenschaftlers der Universität Leipzig, daß nun auch im Osten der Republik der heimische Dialekt gepflegt werde besonders das Sächsische werde "salonfähig". Dazu schrieb uns ein kundiger Leser: "In der DDR waren die Dialekte vielleicht nicht im Wortsinne salonfähig - dem Dialekt mangelte der Salon -, aber sie waren kulturhaus-, aufklärungslokal-, behördenfähig.

Da der Vorsitzende oder ein sonstiger Vorgesetzter Regeln und Phonetik der deutschen Hochsprache nur selten, Dialekt zumeist aber ausgezeichnet beherrschte, wurde es üblich, sich in anbiedernder Anpassung einer der verfügbaren Mundarten zu bedienen." So entstand, erklärt unser Leser, eine neue Generation von "Polyglotten": "Mit den Eltern, Funktionären, versetzt aus Sachsen in die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik, waren sie in den fünfziger Jahren nach Berlin gekommen. Auf dem Schulhof hatte es für Vertreter der fünften Besatzungsmacht keine Gnade gegeben. Mimikry war dringend geraten und mit etwas Sprachtalent auch erreichbar. Der Polyglotte, das früh Gelernte hatte Abitur und Studium überdauert, sagte zur Sekretärin: ,Lola, ick jlobe, hier haste een Fehler jemacht`, nahm den Hörer vom klingelnden Telefon und rief voll Freude: ,De Muddi! Wie gommdsn, dosde moal widder delefonierst.` Die neuen Vorgesetzten sind aus Niedersachsen. Hochdeutsch erreicht eine neue Blüte. Meldungen des Inhalts, daß erste Ossis schon über den zpitzen Ztein ztolpern, halte ich für Gerüchte."