Vielleicht gehört es zu jedem historischen Schlußstrich, daß das Prekäre seiner Vorgeschichte auch im letzten Augenblick noch spürbar bleibt. In Prag, während der Unterzeichnung der Deutsch-Tschechischen Erklärung, waren es nicht nur wütende Demonstranten vor dem Palais Liechtenstein, die an die Mühen und Widerstände des Verhandlungsprozesses erinnerten. Noch die Zeremonie selbst wirkte wie ein Balanceakt.

Beide Partner kamen nicht umhin, weiter um das Verständnis der Skeptiker zu werben.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Was zählt, ist, daß beide Seiten am Ende den Mut gefunden haben, sich gegen die Kritiker durchzusetzen.

Gefunden wurde nicht der verbindliche Blick auf die gemeinsame Vergangenheit, sondern der gemeinsame Wille, die künftigen Beziehungen vom Bann der Vergangenheit zu befreien. Es ist ein Dokument des zukunftsverpflichteten Pragmatismus daraus geworden.

Weder tschechische Nationalisten noch sudetendeutsche Verbandsfunktionäre müssen sich darauf einlassen. Daß sie mit ihrem sturen Beharren sonst nur ins historische Abseits geraten, ist seit der Prager Zeremonie noch deutlicher geworden.