Zwei nicht ganz unwichtige Personalentscheidungen in der Bundesregierung: Helmut Kohls "schönste Frau im Kabinett" (Bild), die Parlamentarische Staatssekretärin bei Forschungs- und Bildungsminister Jürgen Rüttgers, Cornelia Yzer, wandert in die Verbandswirtschaft ab. Und der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Klaus Rose, geht auf die Hardthöhe, wo er das Amt der Parlamentarischen Staatssekretärin Michaela Geiger übernimmt, die als Vize ins Bundestagspräsidium gewählt wurde. Besondere Beachtung verdient die Rotation auf der Hardthöhe, und das nicht nur, weil die Bundeswehr mit Studienrat Rose und dem Oberstudienrat Rühe nun gleich zwei Lehrer a. D. an ihrer Spitze hat. Bedeutender ist, daß CSU-Mann Rose häufig in kritischer Distanz zu Rühe stand, der Hardthöhe gelegentlich "Versäumnisse" bei der Bundeswehrausrüstung vorwarf und schon verschiedentlich Verärgerung der CSU über den "forschen Politiker" Rühe signalisiert hat. Da Rose zudem weiß, was er will, und alles andere als ein Weichmann ist (er ist Mittelstürmer und Kapitän der Fußballelf des Bundestags), könnten die Beziehungen zwischen ihm und dem Minister konfliktträchtig werden.

Doch das neue Gespann hat auch Vorteile. Der CSU-Politiker hat Verständnis für die schlechte Auftragslage der Rüstungsindustrie.

Und er ist Befürworter des Eurofighter wie auch anderer Rüstungsprojekte, deren Beschaffung Rühe allergrößte Mühen bereitet, weil Finanzminister Theo Waigel (CSU) den Wehretat zum Steinbruch für die desolaten Staatsfinanzen gemacht hat. Roses direkter Draht zum CSU-Vormann Waigel kann daher nur nützlich sein. Rose hat nämlich schon mal erklärt, wegen Waigels Kürzungen am Wehretat könne es durchaus "zu Irritationen zwischen dem CSU-Vorsitzenden und der Partei kommen". Also aufgepaßt!

Der Seitenwechsel, den die 35jährige Staatssekretärin Yzer, Rechtsanwältin von Beruf, vornimmt, ist kein Abschied von der Politik. Als neue Hauptgeschäftsführerin des potenten Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) will sie ihr Bundestagsmandat weiter ausüben. Mit Cornelia Yzer ist bereits der zweite einflußreiche Industrieverband direkt mit einem hochrangigen Mitglied seiner Geschäftsführung im Parlament vertreten. CDU-MdB Reinhard Göhner, der im vergangenen Jahr Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände wurde, hat sein Bundestagsmandat ebenfalls behalten. Zuvor hatte Göhner ebenso wie Yzer das Amt eines Parlamentarischen Staatssekretärs bekleidet, und zwar im Wirtschaftsministerium.

Nachfolgerin der Abgeordenten Yzer bei Jürgen Rüttgers wird wiederum eine Frau: die CDU-Parlamentarierin Elke Wülfing, stellvertretende Vorsitzende des CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. Wer aus der Union den Vorsitz im Verteidigungsausschuß übernehmen wird, stand zu Wochenbeginn noch nicht fest. Da die CSU den ersten Zugriff hat, könnte das auf den industriefreundlichen Kurt J. Rossmanith zulaufen, der sich bisher im Haushaltsausschuß intensiv um verteidigungspolitische Fragen gekümmert hat. Entschieden wird Anfang der letzten Januarwoche.