Den Verdacht, daß sich Tierpopulationen chaotisch entwickeln, hegen Ökologen schon lange. Die amerikanischen Forscher Robert Costantino und Bob Desharnais studierten jetzt die Populationsentwicklung des Mehlkäfers Tribolium und stellten fest, daß der Bestand der Nahrungsparasiten nach den Gesetzen der Chaos-Theorie schwankt (Science, Vol. 275, 1997). Die Ursache ist der Kannibalismus der erwachsenen Käfer. Sie verschlingen einen Teil ihrer Nachkommen, daher treten bei geringen Populationsgrößen unvorhersagbare und extreme Fluktuationen im Bestand auf.

Sollte sich die tierische Chaos-Theorie auch bei anderen Spezies bestätigen, stünde der Artenschutz vor einem Problem: Auch eine gut überwachte Population könnte einfach von selbst aussterben.

Und beim Einsatz von Pestiziden gegen kannibalistische Schädlinge wäre Vorsicht geboten. Möglicherweise kurbelt man damit ihre Vermehrung erst richtig an.