Sat.1, freitags: "Ein Mann steht

seine Frau"

In England, wo Niedergang und Neuaufschwung des Kapitalismus am frühesten begonnen haben, soll es schon soweit sein: Im Dienstleistungsbereich haben Frauen bessere Jobaussichten als Männer. Eine Welle von Gewalt gegen das schwache Geschlecht habe, so mutmaßen Soziologen, hier ihre Wurzel. Dabei gibt es einen erprobten Ausweg: Gehen Sie als Dame, mein Herr.

Schade, daß diese Lösung der Posse vorbehalten bleibt - das Leben könnte so viel lustiger sein. So profitiert immerhin die leichte Muse. Seit "Some like it hot" und "Tootsie" ist der Mann, der aus Angst oder um eines Jobs willen in Frauenkleider schlüpft, eine sichere Lachnummer.

Vielleicht liegt es an Jack Lemmon und Dustin Hoffman, an der wunderbar grotesken beziehungsweise perfekten Travestie, die beide boten, daß man ihn immer wieder gerne sieht: den Kerl im Kostüm, der mit künstlich hochgedrückter Stimme flötet: "Aber Herr Direktor -" und sich nervös mit den Fingerspitzen die Stirnlocken betupft.

Er ist nicht totzukriegen, der Damenimitator, und auch im Fernsehen trippelt er mit Bravour.

Damit das Herz des Publikums für ihn schlägt, braucht er ein stählernes Motiv. Bloßer Übermut zöge nicht, und Spaß an der Freud wäre verdächtig.