Jerusalem Benjamin Begin gilt als prinzipienfester Mann. Überrascht hat es deshalb niemanden, als er nach dem Hebron-Abkommen von seinem Amt als israelischer Wissenschaftsminister zurücktrat. Der Sohn des ehemaligen Regierungschefs Menachem Begin hält somit der alten revisionistischen Ideologie die Treue: Danach darf um keinen Preis "biblische Heimat" aufgegeben werden. Der Rücktritt ist gleichwohl keine versteckte Kritik am eigenen Vater, der 1979 den Sinai an Ägypten zurückgegeben hatte. Denn die Sinaiwüste zählt nach Lesart der Revisionisten nicht zur "biblischen Heimat".

Der junge Begin, bisher einer der Prinzen des Likud, steht mit seinem Protest nicht allein. Er wird bereits als Anführer einer möglichen neuen Rechten gehandelt, die Ministerpräsident Netanjahu des Verrats bezichtigen würde. Von diesem Vorschlag hat sich Begin zunächst einmal distanziert. Vermutlich glaubt er nicht an die Chancen einer weiteren politischen Kraft. Deshalb erscheint eine Spaltung des Likud derzeit unwahrscheinlich. Zwar haben die Anhänger des rechtsideologischen Lagers Benjamin Netanjahu zum Ministerpräsidenten gewählt, damit er genau das verhindere, was er gerade selbst vollbracht hat. Doch kennen die Rechtsabweichler keine realistische Alternative zu ihm.

Für den Regierungschef hingegen gibt es jederzeit die Option einer großen Koalition. Der Streit im Likud hat diese Spekulationen wieder einmal genährt. Im Augenblick sei er aber ganz zufrieden mit seinem jetzigen Regierungsbündnis, verkündet Netanjahu und läßt damit alles offen. Mit der großen Koalition läßt sich halt trefflich drohen. Auf die eigenen Leute wirkt das disziplinierend.

Das Hebron-Abkommen hat die längst bestehenden Differenzen zwischen den (eher älteren) Ideologen und den (eher jüngeren) Pragmatikern innerhalb des Likud noch verschärft. Heute verläuft der politische Graben in Israel zwischen diesen beiden Lagern ein und derselben Partei und nicht mehr - wie früher - zwischen dem Likud und der Arbeiterpartei. Die wachsende Kritik, die im Likud an Benjamin Netanjahu laut wird, richtet sich allerdings nicht nur gegen seine neue Friedenspolitik, sondern auch gegen die starke Stellung des direkt gewählten Ministerpräsidenten. Die Kritiker greifen das neue Wahlsystem an, das die Parteifilialen weitgehend entmachtet hat. "Den Likud gibt es schon gar nicht mehr", lautet die Klage langjähriger Parteimitglieder.

Natürlich steht Netanjahu nicht nur in der eigenen Partei unter Druck. Im ganzen rechten Lager wächst der Unmut. Damit sich der Regierungschef künftig nicht mehr als alleiniger Vertreter der Rechten fühlen darf, denken Siedlerbewegung und Teile des nationalreligiösen Lagers über einen eigenen Kandidaten bei den nächsten Wahlen nach.

Noch vermeiden die meisten Siedler, Netanjahu persönlich anzuklagen.

Vielmehr kritisieren sie den "Druck von außen", dem der Regierungschef ausgesetzt sei. Immerhin hat Netanjahu den Siedlern finanzielle Unterstützung versprochen und gerade erst verkündet, das Osloer Abkommen schließe eine Fortsetzung der Siedlungspolitik nicht aus. Ein Trost, der in palästinensischen Ohren wie eine Kriegserklärung klingt. Irgendwann wird sich Netanjahu für eine kohärente Politik entscheiden müssen.