Kein Zweifel: Das Ding schwebt. Leicht zitternd dreht sich der kleine Kreisel in der Luft, etwa vier Zentimeter über einer quadratischen Platte von der Größe dreier übereinandergelegter CDs. Selbst mit dem Finger darunter durchzufahren stört das unheimliche Flugobjekt nicht. Levitationsgurus können da nur vor Neid erblassen. Und die Physiker? Die staunen über das Spielzeug, das seit einem Jahr auch in Deutschland zu kaufen ist.

Michael Berry, Physikprofessor an der Universität Bristol, war sogar so fasziniert, daß er über das Levitron, so der Name des magischen Gerätes, Forschungen anstrengte. Das Resultat ist kürzlich in einer angesehenen Fachzeitschrift erschienen (Proceedings of the Royal Society, A 452, S. 1207, 1996). Die hinter dem Spielzeug stehende Physik entpuppte sich als reichlich vertrackt.

Der Erfinder des Spieles, Bill Hones von Fascinations Toys & Gifts in Seattle, freilich kümmerte sich wenig um die Theorie. Er hatte die fixe Idee, mit Magnetismus irgend etwas zum Abheben zu bringen.

Nach jahrelanger Tüftelei kam er schließlich auf den Kreisel.

Fragen, wie sein Levitron funktioniert, wimmelt er ab und verweist bescheiden auf Berrys Artikel.

In der Grundplatte verbirgt sich ein ringförmiger Magnet, und auch der Kreisel ist magnetisch. (Dabei handelt es sich übrigens um keramische Magneten, um einen Stromfluß zu verhindern, der den Kreisel abbremsen würde.) Oberseite der Platte und Unterseite des Flugobjekts sind beides Nordpole. Sie stoßen einander daher ab. Normalerweise würde der Kreisel umkippen und mit dem Südpol voran herabstürzen. Das verhindert jedoch der sogenannte gyroskopische (vom gleichen Wortstamm wie der Drehspieß beim Griechen) Effekt: Die Drehung stabilisiert den Kreisel in seiner Position, so daß er nicht umfallen kann.

Das Gleichgewicht des Levitrons ist äußerst labil, wie Berry berechnete und jeder erfährt, der ihn abheben lassen will. Die Grundplatte muß exakt waagrecht liegen, sonst entwischt der Kreisel nach einer Seite. Sein Gewicht muß mit kleinen Beilagscheiben genau austariert sein. Ist er zu schwer, hebt er nicht ab. Ist er zu leicht, fliegt er zu hoch und rauscht zur Seite weg. 0,1 Gramm Abweichung von seinem Idealgewicht können den Kreisel bereits aus der Schwebe bringen. Da das magnetische Feld von der Temperatur abhängt, muß er bisweilen von der einen Minute auf die andere zunehmen oder abspecken, um seine Flugfähigkeit nicht zu verlieren.