Ick hab garantiert Aids", kicherte die Blonde, "so wie wir mit den Blutproben rumschlampern. Wat issn nu, kommste mit?" Er: "Lieber bloß freundschaftlich." Sie: "Also nich!" - 1989er Mittsommernachtsgespräch im "1900" am Kollwitzplatz, jener Ecke des Prenzlauer Bergs, die heute als ein Ostberliner Mini-Montmartre touristisch überlaufen wird. Alteingesessene fordern bereits Leinenzwang für Wessis.

"Watt issn nu, kommste mit?" rechts durch die Husemann über die breite Danziger, im Volksmund Dimitroff genannt. Drüben beginnt das LSD-Viertel: Lychener-, Schliemann-, Dunckerstraße, dieses verluderte "Massenquartier für das proletarisierte Landvolk Schlesiens und Pommerns, das um die Jahrhundertwende in Gestalt unserer Großväter und Großmütter Richtung Hauptstadt geströmt war". Sogar hier gibt's seit der Wende Kneipenschick, im Rahmen lokaler Verträglichkeit.

Das "Esquina" bietet pesceane alla griglia (Haifischsteak auf Pommes) für vierzehn Mark. Im "Dodge" fließt der halbe Liter Murphy's Stout für fünf fuffzich. Das bindet.

Gegenüber die "Duncker Bier-Quelle" ist seit Jahren dicht. Dort saß Anfang 1979 der kleine Anarchist mit dem roten Stern auf seiner Leninmütze und lauschte der universalen Ostberliner Kneipenphilosophie, derzufolge die ganze Welt ein Klo ist, "aber, Alter, ick hab mein Heu rein". Es gebe noch Hoffnung für die DDR, sprach der kleine Anarchist. Bettina und Klaus. Die hauen nicht ab, die bleiben hier, bei uns, den wahren Linken.

Bettina Wegner und Klaus Schlesinger, die berlinernde Joan Baez und ihr schreibender Gatte, galten damals als Brandungsfelsen in der großen Ausreisewelle von Künstlern nach Biermanns Rauswurf.

1980 gingen auch sie nach West-Berlin, zur Enttäuschung der Dableiber.

Schlesinger veröffentlichte 1990 ein vorzügliches Buch übers Rübermachen, das mir bei der Zusammenschau beider Berlin sehr geholfen hat.