Also, wenn der bedächtige Siegfried Lenz die Pfeife aus dem Mund nimmt und lospoltert. Jetzt hat er's getan: "Was hansische Kulturpolitik mit der Schließung der Bücherhallen tut, halte ich schlicht für verhängnisvoll. Eine Begünstigung des weithin wahrnehmbaren Sprachverfalls - gerade haben Handwerkskammern die zunehmende Ausdrucksarmut junger Menschen beklagt." Mit seinem Protestbrief gegen eine Kulturpolitik, die kommenden Generationen Zukunft in der schieren Leseübung verwehrt, kommt der berühmte Schriftsteller den Lesern in Groß-Borstel zu Hilfe. Groß-Borstel? Jawoll. Stadtteil im Norden der Hansestadt.

Als die Freie und Abrißstadt 1954 ihr Stavenhagenhaus, einen 300 Jahre alten Herrensitz, dem Erdboden gleichmachen wollte, setzten die Groß-Borsteler sich zur Wehr: Jetzt ist das Haus kulturelles Zentrum des Stadtteils, leicht zu erreichen für alle. Der vor über hundert Jahren gegründete Kommunal-Verein Groß-Borstel hat schon 1913 eine öffentliche Bücherei gegründet, die nun - wie viele andere - geschlossen werden soll. Da gründen die Groß-Borsteler sofort einen Verein: "Bücherhalle Groß-Borstel - Ja, bitte!", beschaffen sich niedrigeren Mietpreis und einen Sponsor (Mobil-Media) und bieten eine Kürzung von drei auf zwei Öffnungstage an. Doch wo eine Behörde ist, ist kein Weg. Es soll bei der Schließung und dem Verschleudern von Büchern bleiben. Demokratie von oben!

Vielleicht hilft Protest: Stavenhagenhaus, Frustbergstraße 4, 22453 Hamburg.