BERLIN. - Was am 17. September 1992 im "Mykonos" geschah, wird Ebrahimzadeh Esfahani nie vergessen. Der 43 Jahre alte Exil-Iraner sieht die Tischrunde vor sich, ein Treffen von acht politischen Mitstreitern gegen das Mullah-Regime, er sieht einen dunklen Schatten durch die Tür kommen, dann einen Feuerstoß. Er duckte sich instinktiv unter den Tisch, versuchte noch seinen Nachbarn mitzuziehen.

Der Iraner hat das Attentat im "Mykonos" überlebt, bei dem vier iranisch-kurdische Oppositionelle ermordet wurden. Aber der Anschlag ist zum Einschnitt geworden für ihn und seine Familie. Nach dem Attentat war er fast ein Jahr lang gänzlich arbeitsunfähig. Seit dem Anschlag bemühen seine Frau und er sich um die deutsche Staatsbürgerschaft.

Vor allem ihrer drei Kinder wegen, die hier aufgewachsen sind.

Seit fast zwölf Jahren lebt die Familie in Deutschland. Doch die Verwaltung verweigert die Einbürgerung: Die Esfahanis müßten zuvor ihre iranische Staatsbürgerschaft aufgeben.

So nämlich verlangt es das Niederlassungsabkommen zwischen dem Deutschen Reich und dem Kaiserreich Persien aus dem Jahr 1929.

Darin verpflichten sich beide Länder, Einbürgerungen nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Regierung des jeweiligen Heimatstaates vorzunehmen.

Esfahani müßte also bei dem Staat vorstellig werden, dessen Killer ihn im "Mykonos" nur knapp verfehlten.