Dädalus und Ikarus, diese ersten Opfer in der Geschichte der Fliegerei, und der deutsche Steuerzahler, sie haben so manches gemeinsam.

Alle drei sind auf der Flucht. Die beiden mythischen Helden flüchten vor dem übellaunigen Kreterkönig Minos, der ihnen an den Kragen wollte. Der deutsche Steuerzahler flieht vor Theo Waigel, der gutverdienende Steuerpflichtige - zumindest nach deren Empfinden - ebenfalls um Kopf und Kragen bringen möchte. Dädalus und Ikarus wollten ihr Leben retten, der deutsche Steuerzahler sein Geld.

Als Ausweg haben alle die Fliegerei entdeckt, diese an sich faszinierende, wenn auch nicht ganz ungefährliche Angelegenheit.

Die tragischen Helden aus der Antike bastelten sich Flügel aus Federn und Wachs. Dem zahlungskräftigen Steuerzahler greifen Banken und Investmentgesellschaften unter die Arme. Vom Erfolg herkömmlicher Leasinggeschäfte beflügelt, bieten sie dem Steuerzahler Flugzeugleasingfonds an, um die Flucht zu erleichtern.

Doch hier enden die Gemeinsamkeiten. Denn während die Geschichte aus der griechischen Mythologie böse ausgeht - Ikarus ertrinkt bekanntlich im Meer -, ist der Höhenflug der Flugzeugleasingfonds vorerst ungebremst. Viele Steuerzahler fliegen Theo Waigel einfach davon.

Zweistellig sollen die Renditen nach Steuern sein, die immer mehr Anbieter von Flugzeugleasingfonds den Zeichnern ihrer Fonds versprechen.

Entscheidende Voraussetzung: Der Anleger muß vom Finanzamt mit einem Steuersatz von mehr als 40, besser noch mit dem Spitzensteuersatz von 53 Prozent veranlagt werden. Wie so oft sind es auch hier nur die Besserverdienenden, die von solchen Steuernischen profitieren.